Nadel statt sanftes Spray

Bürokratie bremst schmerzlosen Grippeschutz für Kleinkinder aus

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Kinderärzte müssen in dieser Impfsaison wieder zur Spritze greifen, um Kinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren vor der Grippe zu schützen. Nasenspray können die Mediziner dieses Jahr nicht verschreiben.

Uelzen. Eine Nadel ersetzt jetzt wieder das Spray: Den sanften Schutz vor Grippe für Kleinkinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren gibt es in dieser Impfsaison nicht, sagt der Uelzener Kinderarzt Dr. Andreas Hebestreit.

Der Grund sei auch in den Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung zu suchen, meint Hebestreit. Für fast alle Impfstoffe dürfen sich die niedergelassenen Mediziner einen so genannten Praxisvorrat in ihrem speziellen Kühllschrank anlegen. Nur eben für das nasal zu verabreichende Grippeschutzspray nicht, erklärt der Kinderarzt. Das dürfe er nur auf einem personenbezogenen Rezept verschreiben. „Leider wird das Spray aber ausschließlich in Zehnerpackungen geliefert.“ Einem kleinen Patienten könne er ja nicht einen Zehnerpack verschreiben. Auch bekäme er die Kosten dafür nicht erstattet. „Im vergangenen Jahr konnten wir das Spray noch problemlos verschreiben“, sagt der Kinderarzt. Jetzt müsse er die Kleinkinder wie bisher mit der Nadel impfen. Das sei für die Kleinen nicht nur schmerzhaft, auch sei der Grippeschutz mit der Spritze bei Kindern in der Altersgruppe nicht so gut.

Grippeimpfungen werden von der ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes vor allem für jene Kinder empfohlen, die chronische Erkrankungen haben, weiß Hebestreit. Immer mal wieder gebe es Engpässe und Liefersschwierigkeiten bei Impfstoffen, sagt Dr. Gerhard Wermes, Amtsarzt des Landkreises Uelzen. Vor allem Kombi-Impfstoffe für Kinder (z. B. Röteln, Masern Windpocken, Mumps) seien schwierig herzustellen. Ist eine Komponente nicht in Ordnung, sei das ganze Kombipräparat hin. Es dauere Monate, solche Impfstoffe zu produzieren, sagt Wermes. Im Dezember will der Landkreis die Flüchtlinge impfen. Aktuell seien aber nur acht Kinder darunter.

Von Jens Schopp

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