Ladies Night: Männer lassen gegen die Depression alle Hüllen fallen

Nackig bis zum Hals

Die ersten Trockenübungen! Von links: Stephen Appleton (The Rock), Tobias Novo (Kevin), Björn Jung (Herbert), Karin van Syda (Antje) und Daniel Andone (Norbert).

bk Uelzen. Johlender Beifall, gellende Pfiffe und ein amüsiertes Publikum – allzu häufig ist das in Theateraufführungen nicht.

Bei der „Ladies Night“ am Freitagabend im Haus an der Ilmenau, die einen überproportional voll besetzten Saal sah, ganze Weibertruppen hatten sich Kunstgenuss verordnet, aber schon.

Die Geschichte der fünf so unterschiedlichen Männer – aus dem sechsten im Stück machte die Regie kurz entschlossen eine Antje (Karin van Syda) – die aus ihrer Normalität herauskatapultiert wurden durch Arbeitslosigkeit und sich in einem Waschsalon wiedertreffen, ist auch bedrückend, manchmal, dann wieder rührend komisch. Eines steht jedoch fest: Am Ende haben sie gewonnen, sind über persönliche Schatten gesprungen und könnten es vielleicht auch im Leben schaffen. Nun kann nicht jeder Arbeitslose – es sind in diesem Lande ohne bereinigte Statistik mehr als sechs Millionen, das macht auch die Inszenierung des Kölner Fischer & Jung Theaters nicht vergessen, will es wohl auch nicht – eine Striptease-Nummer studieren.

Aber wie es diese Truppe auf der Bühne tut, das Großmaul Herbert (Björn Jung), der verklemmte Norbi (Daniel Andone), der geschiedene Kalle (Guido Fischer), der schwule Kevin (Tobias Novo) und der beste Tänzer und für die Integration zuständig, weil farbig, „the Rock“ (Stephen Appleton), das ist eine sehenswerte Studie, die trotzdem weit entfernt siedelt vom heute üblichen Klamauk.

Das Schauspiel der neuseeländischen Autoren Sinclair/McCarten aus dem Jahre 1987 (deutschsprachige Premiere 1992 in Wien) entstand offensichtlich aus genauer und ambitionierter Beobachtung, und die Akteure füllen ihre Rollen nach anfänglich öderen Regiestrecken munter aus. Das Spiel gewinnt zunehmend an Dynamik und die Spannung im Publikum, ob der Schluss eher zum peinlichen Tiefpunkt verkommt oder die Männer diesen (Seelen)Stripp mit Anstand beenden, ist fühlbar.

Nun haben wir die Schauspieler erfunden, um über uns selber wie über einen fremden Idioten lachen zu können; in „Ladies Night“ war es aber an keiner Stelle Hohnlachen. Und auch wenn am Ende wirklich alle nackt stehen – bloßgestellt hat sich niemand. Die liebenswerten Figuren der Handlung nicht, ihre Darsteller ebenso wenig. Langer Beifall auch von jedem, der nie begreifen wird, warum sich entblößende Mannsbilder Säle zu füllen in der Lage sind. Anerkennung auch für so viel Spaß, couragiertes Tanzen und natürlich den Stripp!

Hugo von Hoffmannsthal hatte verlangt, dass in bösen Zeiten nur noch Komödien zu spielen seien. Vielleicht sollte man sich wirklich öfter daran halten, zumal die Kölner Gäste durch die laut-fröhlichen Töne auch die leise-bitteren transparent machten.

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