Uelzener Bahnhofsmission stellt sich auf weitere Einsätze zu später Stunde ein

Nachtasyl für frierende Flüchtlinge

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Wolfgang Scholz, Leiter der Bahnhofsmission in Uelzen, schloss in der Nacht zu Montag das Haus auf, um drei frierende Flüchtlinge aufzunehmen. Mareike Giffhorn unterstützt die das Team der Bahnhofsmission. Sie leistet ein freiwilliges soziales Jahr.

Uelzen. Nachtschicht in der Bahnhofsmission: Gegen 0.30 Uhr wurde Missionsleiter Wolfgang Scholz von Freiwilligen der Uelzener Flüchtlingshilfe in der Nacht zu Montag aus dem Bett geklingelt. Auf dem Bahnsteig bibberten drei Flüchtlinge in Eiseskälte.

Sie waren mit dem letzten Zug aus Göttingen eingerollt und wollten am Morgen um kurz vor 5 Uhr weiter nach Hamburg. Scholz schloss die Bahnhofsmission auf. „Die haben erst einmal eine Stunde am Heizkörper gekauert, bis sie wieder warm waren. “ Winterkleidung sei das nicht gewesen, was die zwei Männer aus Syrien und ihr Begleiter am Leib trugen, sagt Scholz.

Die Einsätze dürften sich in den kommenden Tagen häufen. Da ist sich der rührige Leiter der Uelzener Bahnhofsmission sicher. Man könne die Menschen nicht bei Minusgraden auf den zugigen Bahnsteigen frieren lassen. Erst recht nicht, sollten Familien mit kleinen Kindern nächstens am Hundertwasser-Bahnhof stranden. Die Helfer in den blauen Jacken werden zur Stelle sein, verspricht Scholz. Alles sei mit Bundespolizei, Bahnhofsmanagement in Braunschweig und dem Uelzener Ordnungsamt abgestimmt. Auch Scholz’ Dienststelle, der Diakonieverband Nordostniedersachsen, hat sein OK für die nächtliche Herberge in der Mission am Ende des Bahnsteiges 301 gegeben. Träger der Bahnhofsmission sind Diakonie und Caritas.

Die Flüchtlinge seien normale Reisende, sagt Scholz. Als der Flüchtlingsstrom im Spätsommer einsetzte, seien immer wieder Menschen in der Nacht in Uelzen angekommen. „Da waren aber die Temperaturen noch so, dass die Flüchtlinge die Stunden bis zur Weiterfahrt im Wartehäuschen verbringen konnten“, so Scholz. Dann seien sie morgens nach Hamburg beziehungsweise Skandinavien weitergereist, so Wolfgang Scholz. Die Bahnhofshalle schließe um 22 Uhr. Sollten jetzt in der Kälte mehr als 30 Menschen auf einmal in der Nacht ankommen, werde man in Absprache mit der Bundespolizei die Bahnhofshalle aufsperren. Dort könnten die Flüchtlinge aber nur dann warten, wenn die Bundespolizei vor Ort sei, so Bundespolizei-Sprecher Holger Jureczko. Müssten die Kollegen raus zu einem Einsatz, müsse man sehen. Mit seinen 14 ehrenamtlichen und zwei hauptamtlichen Kräften könne er den Nachtbetrieb erst einmal stemmen, sagt der Leiter der Bahnhofsmission. Aber ewig sei das nicht zu leisten, dann müsse eine andere Lösung her. Gut gebrauchen könne die Mission nun Kaffee, Tee und Kakao für Heißgetränke, sagt Wolfgang Scholz.

Von Jens Schopp

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