Immer noch Alarmstufe Rot bei Pächtern / Möglicher Räuber schweigt

Nach Überfallserie: Tankstellenbesitzer bleiben wachsam

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„Überfall zwecklos“ – mit Hinweisen an der Tankstelle an der B4 macht Inhaber Ralf Fehlhaber darauf aufmerksam, dass sich bei ihm ein Raub nicht lohnt. Nach der Festnahme bleibt er wachsam.

Uelzen/Lüneburg. Mit jedem Überfall in der beispiellosen Raubserie wuchs die Verunsicherung unter Tankstellenbesitzern. Nach der Festnahme eines 39-jährigen Tatverdächtigen am Dienstagabend (AZ berichtete) bleiben sie wachsam.

Ralf Fehlhaber, Chef der Aral-Filialen an der B 4 und am Hammersteinplatz, sagt: „Es herrscht immer noch Alarmstufe Rot“.

Fehlhaber erinnert an den Überfall in Bad Bevensen. Dort hatten am Donnerstag vergangener Woche zwei Männer die Tankstelle an der Göhrdestraße überfallen. Einer von ihnen soll der nun Festgenommene sein. „Was ist aber mit dem Anderen?“, fragt Fehlhaber. Nach diesem Täter fahndet die Polizei noch. Der 39-Jährige, gegen den inzwischen Haftbefehl erlassen wurde, schweigt bis dato zu Taten, Motiven und Komplizen.

13 Überfälle der vergangenen Monate werden dem Festgenommenen zugeschrieben. Er lebte in Gifhorn, soll aber nach AZ-Informationen aus Russland stammen. Polizei-Sprecher Kai Richter dementiert das nicht. Für die Ermittler wären vor allem Angaben vom mutmaßlichen Räuber zu weiteren Taten relevant. Denn bei den ersten Überfällen im Landkreis auf eine Tankstelle an der Bahnhofstraße in Uelzen und tags darauf in Bad Bodenteich ist die Polizei nicht sicher, von wem sie begangen wurden. Zum Alltag geht man deshalb auch in den Dienstellen nicht über. „Wir ermitteln weiter intensiv“, sagt Polizeisprecher Kai Richter. Tankstellenbesitzer Ralf Fehlhaber fragt sich, ob womöglich hinter der Serie organisierte Tätergruppen stecken könnten. Für ihn sind weitere Taten möglich.

Um Mitarbeiter und Geschäfte zu schützen, waren Tankstellenbesitzer, wie berichtet, dazu übergegangen, die Nachtschalter früher zu öffnen.

Um die Raubserie aufklären zu können, hatte die Polizei nach eigenen Angaben eine der aufwändigsten Fahndungsaktionen der vergangenen Jahre losgetreten. Was darunter zu verstehen ist, zeigt sich an AZ-Informationen. So sollen nach ersten Überfällen in Lüneburg Zigarettenschachteln in Tankstellen mit Technik präpariert worden sein, um den Tätern habhaft zu werden. In diesem Zusammenhang soll es auch Anfang Februar zu einem Fahndungseinsatz gekommen sein. Polizeisprecher Kai Richter will sich zu Ermittlungstechniken gestern nicht äußern.

Die Polizeidirektion Lüneburg hatte 1000 Euro und das Kraftstoff-Unternehmen Esso 4000 Euro ausgelobt, für den Fall, dass Täter gefunden werden. Ob sich nun ein Augenzeuge, der sich – wie berichtet – nach dem letzten Überfall am Dienstagabend in Celle das Nummernschild des Fluchtautos notierte, über das Geld freuen darf, ist noch unklar. Wie Kai Richter sagte, seien die Summen zu bestimmten Taten ausgelobt. Erst wenn zu diesen Überfällen rechtskräftige Urteile gesprochen worden seien, würden sie ausgeschüttet.

Von Norman Reuter

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