Nach über einem Jahr der Ungewissheit: Uelzener Tierheim vermittelt Katze an Besitzerin zurück

„Bonsai“ kommt nach Hause

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Als sie ihre vertraute Transportbox sieht, springt „Bonsai“ hinein und lässt sich auch für Streicheleinheiten von Frauchen Malve Mahlstaedt nicht mehr herausbewegen. Seit mehr als einem Jahr war das Schicksal der dreifarbigen Katze ungewiss.

Uelzen. Eines Tages im Mai letzten Jahres war „Bonsai“ plötzlich spurlos verschwunden. Die dreifarbige Katze war nach einem Spaziergang einfach nicht mehr in ihr Zuhause in Lübeck zurückgekehrt.

Frauchen Malve Mahlstaedt ließ mehr als 200 Flugblätter drucken, mit denen sie nach „Bonsai“ suchte. Sie fragte in der Nachbarschaft herum, doch niemand hatte das Tier gesehen. „Bonsai“ war weg.

Mehr als ein Jahr danach, es war vor wenigen Tagen, geht bei Malve Mahlstaedt in Lübeck eine Mail ein: Ihre Katze sei im Uelzener Tierheim aufgenommen worden, heißt es da. Malve Mahlstaedt fährt sofort los – und tatsächlich: Die Uelzener Polizei hatte „Bonsai“ bei den hiesigen Tierschützern abgegeben. Die Beamten hatten die Samtpfote einem Mann abgenommen, der hilflos ins Klinikum eingeliefert worden war. Der 42-Jährige hatte „Bonsai“ in einer Tragetasche bei sich – ihren Hals mit einem der Taschenhenkel umschlungen, damit sie nicht davonlaufen konnte.

Dass „Bonsai“ jetzt wieder zu Hause bei ihrer Familie in Lübeck sein kann, verdanken sie und ihre Menschen der Initiative „Tasso“. Hier können Tierbesitzer ihre Vierbeiner registrieren lassen. Wird ein Tier gefunden und verweist ein Chip unter seiner Haut auf eine Registrierung bei „Tasso“, kann es an seinen Besitzer zurückvermittelt werden. So geschehen auch bei „Bonsai“.

„Ich habe einfach mal unser Chip-Lesegerät an die Katze gehalten“, schildert Kristin Zangi vom Uelzener Tierheim, als sie den Neuzugang unter ihre Fittiche genommen hat. „Und siehe da, sie war gechipt.“ Die Chipnummer wurde an „Tasso“ gemailt, von dort aus wurde wiederum Kontakt zu „Bonsais“ Frauchen aufgenommen.

In der Zwischenzeit wurde auch der Mann, der die Katze mit sich herumgetragen hatte, aus dem Krankenhaus entlassen und stand eines Tages vor der Tierheimtür. Wieder mit einer Tragetasche, in die er das Tier verfrachten wollte. „Aus dem Umstand, dass die Katze auf eine andere Person registriert ist, ergaben sich einige Fragen, die der Mann nicht beantworten konnte“, sagt Kristin Zangi. „So teilte ich ihm mit, dass ich ihm die Katze nicht herausgebe.“ Der Mann verschwand daraufhin. „Wir hatten ja die Namen und Adressen der hilflosen Person und der registrierten Besitzerin abgeglichen“, begründet sie, „und es stimmte nichts überein – außer, dass beide ihren Wohnsitz in Lübeck haben.“

Wie lange „Bonsai“ in der Tragetasche ihr Dasein gefristet hat und was sie in den vergangenen Monaten erlebt hat, weiß niemand. Der Mann, der sie mit sich herumgetragen hatte, berichtete, er habe sie eines Tages halb verhungert aufgegriffen und mitgenommen. Malve Mahlstaedt kann sich das nur schwer vorstellen. „’Bonsai’ ist eine Handaufzucht, ich habe sie damals aufgepäppelt, weil sie so klein und zart war.“ Als das Tier plötzlich verschwunden war, habe sie zunächst noch Hoffnung gehabt. „Im ersten halben Jahr haben wir noch gedacht, dass sie eines Tages einfach wiederkommt...“

„Bonsisai“, flüstert Malve Mahlstaedt leise. Die Katze horcht, blickt sie aus ihren großen grünen Augen an. „Komm, wir fahren nach Hause“, sagt ihr Frauchen beruhigend. Und „Bonsai“ ist längst abreisebereit: Als sie ihre altvertraute Transportbox, die Malve Mahlstaedt mitgebracht hat, auf einem Hocker stehen sieht, springt die Katze sofort hinein und ist auch nicht mehr herauszubewegen. Nach über einem Jahr, mit Erlebnissen, die für immer ihr Geheimnis bleiben werden, ist „Bonsai“ jetzt wieder zu Hause.

Von Ines Bräutigam

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