Der Zug als Tatort

Nach Axt-Attacke in Würzburg: Metronom schult Personal für brenzlige Situationen

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Der Lokführer eines Metronom-Zuges bei der Arbeit.

Würzburg/Uelzen. Ein 17-jähriger Afghane bestieg mit Messer und Axt bewaffnet am Montagabend einen Regionalzug. Bei Würzburg attackierte er Fahrgäste, verletzte fünf Menschen. Zwei von ihnen schwebten gestern noch in Lebensgefahr.

Die Axt-Attacke bei Würzburg ist die dritte schwere Bluttat binnen sieben Monaten in Nahverkehrszügen.

Die Axt-Attacke ist die dritte schwere Bluttat binnen sieben Monaten in Nahverkehrszügen. Zu Weihnachten erstach ein Mann einen Polizisten in einem Zug am Bahnhof von Herborn (Hessen). Und im Mai lief bei München ein Mann in einer S-Bahn mit einem „Survival-Messer“ Amok, tötete einen 56-Jährigen und verletzte drei weitere Männer. Gestern wurde die Frage gestellt: Sind solche Taten zu verhindern? Die Deutsche Polizeigewerkschaft erklärte, eine umfassende Sicherheit für Reisende auf Bahnhöfen könne es nicht geben. Lokführer und Zugbegleiter der in Uelzen ansässigen Eisenbahngesellschaft Metronom, so Unternehmenssprecher Björn Pamperin, würden geschult, um in brenzligen Situationen angemessen handeln zu können. Dabei ließe sich aber nicht jedes Szenario durchspielen, sagt Björn Pamperin.

Für den Fall, dass das Zugpersonal einen Fahrgast mit Waffen antreffe, würde es sich ruhig und unauffällig verhalten, um nicht die Situation eskalieren zu lassen. Die Zugbegleiter und der Lokführer seien in der Lage, sofort die für den Zugverkehr zuständige Bundespolizei zu alarmieren. Fahrgäste sollten sich ähnlich verhalten und deeskalierend reagieren, rät Pamperin. Sie könnten entweder über das Handy einen Notruf absetzen oder über die Sprechstellen in den Wagen den Lokführer kontaktieren. In den Abendstunden sowie an den Wochenenden am Vormittag begleiteten Sicherheitskräfte die Zugfahrten der Eisenbahngesellschaft, so der Metrnom-Sprecher.

20 000 Züge sind täglich in Deutschland unterwegs. Dass sie flächendeckend und rund um die Uhr von Kräften der Bundespolizei begleitet würden, sei personell nicht zu stemmen, erklärt Sandra Perlebach, Pressesprecherin der Bundespolizei-Direktion Hannover, auf AZ-Anfrage. 5000 Einsatzkräfte sind laut Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft an Bahnhöfen stationiert, darunter auch am Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. Dort, wo es keine Stützpunkte gebe, so Sandra Perlebach, würde mit der Landespolizei Hand in Hand zusammengearbeitet. „Die Zuständigkeit tritt dann in den Hintergrund.“

Im Fall von Würzburg waren nach der Flucht des Mannes aus dem Zug gerade Bundespolizisten in der Nähe, die die Verfolgung aufnahmen. Als der 17-Jährige auch auf die Polizisten losging, wurde er erschossen.

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