Mutmaßlicher Autoschieber diente nur als Sündenbock

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Landgericht stellt Verfahren wegen Unterschlagung in Uelzen ein / 51-Jährigem droht nun Anklage wegen Insolvenzverschleppung.

rast Uelzen/Lüneburg. Das Landgericht Lüneburg hat das Verfahren gegen einen 51-jährigen Araber mit deutscher Staatsbürgerschaft eingestellt. Der Mann stand im Verdacht, mit Komplizen zwei Unternehmen in Uelzen gekauft zu haben, um sechs Fahrzeuge der Firmen ins Ausland verschieben zu können (AZ berichtete). Doch die 4. Strafkammer am Landgericht Lüneburg ist überzeugt, dass Hintermänner die Fäden zogen und der 51-jährige Faiz A. nur die Marionette war, die bei einem möglichen Auffliegen des Betrugs als Sündenbock herhalten sollte.

Ungestraft kommt der Elmshorner aber nicht davon. Ihm droht nun eine Verurteilung wegen Insolvenzverschleppung. Die Anklage war zunächst davon ausgegangen, dass Faiz A. im April 2008 in Absprache mit einem Uelzener Ehepaar dessen beide schlecht laufenden Unternehmen – eine Autovermietung und einen Computerladen – nur übernommen hat, um sechs Fahrzeuge der Firmen im Wert von rund 110 000 Euro ins Ausland verkaufen zu können. So sollten die Fahrzeuge auch dem Zugriff von Banken entzogen werden, weil es Leasing-Wagen waren. Von ihnen fehlt bis heute jede Spur.

Das Ehepaar und ein weiterer Geschäftsmann wurden bereits 2009 wegen Unterschlagung verurteilt: der Ehemann zu 15 Monaten Haft, seine Frau zu zehn Monaten auf Bewährung und der dritte Mittäter zu sechs Monaten auf Bewährung. Der Ehemann, der damals geschwiegen hatte, musste nun als Zeuge aussagen, stellte sich zunächst als Betrogenen und Faiz A. als Betrüger dar, der das Paar über den Tisch gezogen habe: Für den Kauf der Firmen habe der Angeklagte statt versprochener 26 000 nur 12 000 Euro auf den Tisch geblättert, dann sei er mit Komplizen samt der Fahrzeuge verschwunden.

Nach 90-minütiger Befragung des Zeugen platzte dem Vorsitzenden Franz Kompisch der Richterkragen. „Das glaubt Ihnen doch kein Mensch“, sagte er. Und dann servierte Kompisch eine mögliche Darstellung des tatsächlichen Geschehens, die der Zeuge abnickte: Nicht Faiz A., sondern ein anderer Mann, mit dem der Geschäftsführer zuvor mit einem anderen Unternehmen schon schmerzhafte Erfahrungen gemacht hatte, fädelte das Verkaufsgeschäft – vermutlich im Auftrag von Hintermännern – ein und verschwand auch mit den Wagen. Ein Deal, bei dem der Druck fürchtende Geschäftsführer nicht habe ablehnen wollen oder können.

Faiz A. habe überhaupt kein Interesse daran haben können, dass die nun unter seinem Namen laufenden Uelzener Firmen einen Schufa-Eintrag wegen nicht beglichener Leasing-Verträge erhalten, also auch nicht daran, dass Fahrzeuge verschwinden. Kompisch: „Faiz A. war an dem GmbH-Mantel der Firmen interessiert, hat sich tatsächlich ins Handelsregister eintragen lassen.“ Nur mit einem unbescholtenen Firmennamen könne man etwa riesige Kredite beantragen. Dass A. oder seine Auftraggeber derartige Betrügereien geplant hätten, sei aber nicht nachzuweisen.

Faiz A. war im Dezember 2008 wegen einer Autoschieberei vom Landgericht Hamburg zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Er sollte als Fahrer ein Auto nach Marokko bringen und dafür nur einige hundert Euro erhalten. Auch das spricht laut Gericht dafür, dass er nicht der Drahtzieher eines groß angelegten Betrugs ist. Als freier Mann verließ er dennoch nicht das Landgericht, er sitzt weiterhin seine Hamburger Strafe ab. Und dann kommt noch die Sache mit der Insolvenzverschleppung.

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