„Da müssen wir ran!“

Traditionelles Greyer-Essen: Stiftungskosten verwundern

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Festredner beim diesjährigen Greyer-Essen war Dr. Ulrich Brohm, Leiter des Museums Schloss Holdenstedt.

Uelzen. Zumindest an einem Tisch waren die Gespräche in der Woltersburger Mühle ganz im Sinne des „Erfinders“.

Im Sinne des Mannes also, aufgrund dessen testamentarischer Verfügung Uelzener Vertreter von Kirche und Verwaltung sowie die Ratsmitglieder seit Jahrzehnten zwischen Weihnachten und Neujahr zu einem Festessen zusammenkommen: der 1964 verstorbene Brennerei-Besitzer Gerhard Greyer.

In gemütlichen Atmosphäre ging es unter anderem darum, wieso das „Uelzener“ Bier „Uhlenbräu“ mittlerweile aus Celle komme. Dass es schön wäre, als Rentner auf den „Craft-Beer-Trend“ aufzuspringen und ein Uelzener Bier zu brauen. Arbeitstitel: „Hundertwasser“ oder, in der Rauchmalz-Variante, „Stadtbrand“. Die Holzbalken in dem historischen Mühlengebäude ließen auch Gedankensprünge in Richtung Eichenholzfässer zu: „In zehn Jahren haben wir dann den ersten Uelzener Whisky...“

Während die Unterhaltung bei Cremesuppe von Sellerie und Birne, Rote-Bete-Salat, Hühnerbrust und Schafskäse im Sesam-Mantel so weitestgehend unverkrampft vor sich hin plätscherte, mischte sich in die Redebeiträge von Bürgermeister Jürgen Markwardt und Dr. Ulrich Brohm, Leiter des Museums Schloss Holdenstedt, auch Ernstes: Brohm referierte zur Neukonzeption des Museums. Er zeigte auf, wie sich das Museum durch technische und inhaltliche Modifikationen zu einem modernen Heimatmuseum entwickeln könne. Erschwert werde dies aber durch die Kosten – 300 000 Euro ohne bauliche Veränderungen – und dadurch, dass die räumliche Zukunft des Museums unklar sei.

Jürgen Markwardt kündigte für Januar Gespräche bezüglich der Zukunft des Museums an und gab einen Rechenschaftsbericht der Stiftung ab, der die Zuhörer verwunderte: „20 000 Euro Verwaltungskosten für 100 000 Euro Stiftungs-Erträge – da müssen wir vielleicht mal ran...“ Das Geld, so Markwardt, komme überwiegend projektbezogen sozial Schwachen zugute.

Auch die Zukunft des Museums beschäftigte die 40 Gäste: Die Oberschule an der Schillerstraße sei ein für die Ausstellung geeignetes Gebäude. Das Haus befände sich in einem guten Zustand und durch die Bahnhofsnähe ließen sich zusätzlich Besucher anlocken.

Von Steffen Kahl

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