Moritz Freiherr Knigge spricht am 19. September in Uelzen über Wertschätzung

Damit das Zusammenleben gelingt

Tritt für mehr Respekt und Wertschätzung ein: Moritz Freiherr Knigge.

Uelzen. Für junge Menschen entsteht die erste Herausforderung im Umgang mit anderen schon an der Schule, wo sie den Umgang mit hunderten anderen Individuen lernen und praktizieren müssen.

Dass mangelnde Wertschätzung im täglichen Umgang zu Reibungsverlusten führt, lernen sie in der Regel recht schnell. Dies kostet Energie, die viel besser positiv genutzt werden sollte. Warum Wertschätzung als Erfolgsfaktor von so großer Bedeutung ist, dazu referiert Moritz Freiherr Knigge am Donnerstag, 19. September, auf Einladung der Elternvertretungen des Lessing-Gymnasiums und des Herzog-Ernst-Gymnasiums in Uelzen.

AZ-Redakteurin Ines Bräutigam hat dem Autor und Benimm-Experten im Vorfeld ein paar Fragen gestellt:

„Benimm dich!“ hieß es früher oft von den Eltern. Warum muss man sich eigentlich benehmen?

Weil gutes Benehmen das Zusammenleben gelingen lässt und erheblich dazu beiträgt, dass wir einander überhaupt aushalten können.

Worauf kommt es bei gutem Benehmen an?

Gutes Benehmen entsteht aus der Einsicht, nicht alleine auf der Welt zu sein und der Freiheit, selbst einen Beitrag zu leisten, dass das Zusammenleben gelingt. Von dieser Freiheit so viel Gebrauch wie möglich zu machen und sich möglichst wenig Gedanken darüber zu machen, was andere tun oder lassen könnten, darauf kommt es beim guten Benehmen an.

Warum ist im Umgang mit anderen die Wertschätzung des Gegenübers so wichtig?

Weil jeder Mensch das Recht als Mensch wahrgenommen und behandelt zu werden. Und Menschen, die sich als Menschen wahrgenommen fühlen, viel eher bereit sind, Ihrerseits etwas zum Gelingen des gemeinsamen Umgangs beizutragen.

Welche Verhaltensweisen sind für Sie ein Muss im wertschätzenden Umgang miteinander?

Für mich ist es ein Muss, nicht zu überlegen, was andere müssten, sondern, was ich selbst tun kann. Menschen begrüßen, einander vorstellen, sich bedanken, um etwas bitten, sich entschuldigen und zuhören können. Das sind Verhaltensweisen, die mir wichtig sind. Das, was man landläufig die gute Kinderstube nennt.

Und was geht gar nicht?

Ich bin sehr allergisch, wenn Menschen sich für etwas Besseres halten und meinen, der Supermarktkassiererin die Freundlichkeit vorzuenthalten, die sie denen zukommen lassen, von denen sie sich etwas versprechen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich mein Gegenüber überhaupt nicht leiden kann und mir das mit der Wertschätzung furchtbar schwer fällt?

Man könnte sagen, die Idee der Wertschätzung hat sich entwickelt, um uns vor negativen Gefühlen zu schützen. Gutes Benehmen ist immer auch eine Distanzleistung und sehr hilfreich, persönliche Antipathien zu verbergen. Eine gewisse Förmlichkeit hält die negativen Emotionen im Griff. Nach meiner Erfahrung sind die Werkzeuge aus der guten Kinderstube wie Guten Tag, Auf Wiedersehen, Danke und Bitte, bestens geeignet, sich Unsympathen vom Leib zu halten oder gar die eigenen Antipathien zu überdenken.

Gibt es Grenzen der Höflichkeit? Wann sind die Ihrer Meinung nach erreicht?

Die Grenzen der Höflichkeit sind immer dann erreicht, wenn jemand die Grenzen seines Gegenübers überschreitet. Dies geschieht immer dann, wenn Menschen ihre Bedürfnisse über die ihrer Mitmenschen stellen. Das geschieht oft, aber in den seltensten Fällen mit Absicht. Daher rate ich stets, andere auf ihr Fehlverhalten besonders höflich anzusprechen. Werden wir hingegen selbst zu emotional und überschreiten die Grenzen unseres Gegenübers, dann fühlt sich dieser angegriffen und wir haben tatsächlich einen handfesten Konflikt heraufbeschworen, wo zuvor lediglich eine Unaufmerksamkeit war.

Wieso, glauben Sie, müssen Menschen wie Sie anderen diese Grundzüge des Verhaltens überhaupt erklären? Sollten einem nicht der gesunde Menschenverstand und Intuition sagen, wie ich meinem Gegenüber angemessen und respektvoll begegne?

Der gesunde Menschenverstand wird gerne bemüht, wenn wir uns das Verhalten anderer nicht erklären können. Dabei wäre ja erst einmal zu definieren, worin dessen Gesundheit im Umgang mit anderen besteht. Der gesunde Menschenverstand des guten Benehmens ist die wechselseitige Versicherung, unsere Bedürfnisse zugunsten der Bedürfnisse des anderen zurückstellen. Die jeweils vorherrschenden Bedürfnisse - die eigenen und die seiner Mitmenschen - in konkreten Situationen zu erkennen und daraus das notwendige respektvolle Verhalten abzuleiten, ist eine hohe Kunst. Angemessenheit erfordert Übung. Und da kann ich – so glaube ich – schon ein wenig Hilfestellung leisten.

Eine Frage, die Sie bestimmt nicht mehr hören können, die aber unbedingt noch gestellt werden muss: Darf man nun „Gesundheit!“ sagen, wenn jemand niest, oder nicht?

Ja, sie dürfen. Wir leben ja in einem freien Land. Ehrlicherweise habe ich auh noch nie jemanden erlebt, der nach dem Gesundheitwünschen in die gesellschaftliche Isolation geraten wäre. Einem Allergiker, der 100mal in der Stunde niesen muss Gesundheit zu wünschen oder in einem Meeting durch den ganzen Raum Gesundheit zu brüllen, das allerdings verbietet wirklich der gesunde Menschenverstand.

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