Von Woche zu Woche

Momente des Innehaltens

Eine Tageszeitung zu produzieren ist kein Job wie jeder andere. Es ist nicht nur die hohe Taktzahl, die allgemein in Redaktionen herrscht, es ist nicht nur diese Besonderheit, dass jeder Arbeitstag anders verläuft, dass man als Journalist noch gar nicht weiß, was der Tag bringen, wie die Zeitung am Abend letztlich aussehen wird.

Tageszeitung zu produzieren heißt vor allem auch, an sechs Tagen in der Woche über Schicksale zu schreiben, den Lesern zu schildern, welche schöne Dinge, aber auch welche Tragödien sich in ihrer Region, in ihrem direkten Umfeld abspielen.

Im Laufe der Jahre lernt man dabei die verschiedensten Facetten kennen. Die Aufgabe von Tageszeitung ist es über Sachverhalte zu berichten, sie für den Leser einzuordnen – immer mit der gebotenen Distanz. Journalisten berichten über das System, aber sie dürfen nicht Teil des Ganzen sein. Und dann sind diese seltenen Situationen, in denen das nicht mehr funktioniert mit der Distanz, die doch so wichtig ist für die Objektivität. Wenn die Presse plötzlich über sich selbst berichten muss, über mehr noch: Wenn sie sich mit der Pressefreiheit auseinandersetzen muss, die nicht ohne Grund in unserem Grundgesetz verankert ist.

Das sind dann die seltenen Tage, in denen es auch im hektischen Redaktionsalltag gibt. Der feige Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo ist so ein Augenblick, ein Terrorakt, der wohl keinen Journalisten einfach so zum Alltag übergehen lässt. Denn die kaltblütige Mordserie von Paris geht jeden an, dessen Job die Meinungsfreiheit ist. Deutlich wird das auch durch den Anruf des Landeskriminalamtes in unserer Zeitungsredaktion. Ob wir denn gedächten, im Zuge der Berichterstattung über die Vorfälle von Paris auch eine Mohammed-Karikatur zu drucken?

Bundesweit fragen Landeskriminalämter die Zeitungen ab, weil sie versuchen, die Gefahrenlage in Deutschland allgemein und für Redaktionen insbesondere einzuschätzen. Und auch das sollte jedem klar machen: Der Terroranschlag von Paris geht uns alle an.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

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