Politiker wollen weitere Chance für Erhalt / Was sagen die Ratsherren?

Ort droht die Schulschließung: Molzener geben nicht auf

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Waren gestern Abend nicht einer Meinung beim Thema Grundschule Molzen: Schuldezernent und Erster Stadtrat Dr. Florian Ebeling (links) und Ortsbürgermeister Henning Gröfke.

Uelzen-Molzen. Wird die Grundschule in Molzen geschlossen? In zwei aufeinanderfolgenden Jahren wurden weniger als 13 Schüler an der Bildungseinrichtung im Uelzener Ortsteil eingeschult; nach einem Ratsbeschluss müsste damit die Schule „schnellstmöglich“ geschlossen werden. Die Stadt nannte als möglichen Zeitpunkt den Sommer 2017, wenn das aktuelle Schuljahr endet (AZ berichtete).

Die Molzener wollen sich mit diesem Schicksal nicht abfinden. Gestern Abend tagte der Ortsrat. Einstimmig sprachen sich die Mitglieder für einen Antrag aus, durch den die Schule noch eine Chance bekommen könnte.

Der Ortsrat rüttelt mit seinem Antrag nicht grundsätzlich an dem Stadtratsbeschluss zur 13-Schüler-Klausel. Vielmehr soll der Beschluss des Stadtrates hinsichtlich der Mindestzahl von Erstklässlern für ein Jahr ausgesetzt werden und die aktuellen Einschulungszahlen – seit Anfang August besuchen zehn Erstklässler die Bildungseinrichtung – keine Berücksichtigung finden. Denn: „Wir fühlen uns unfair behandelt“, sagte gestern Abend Henning Gröfke.

„Wir fühlen uns unfair behandelt.“

Mit diesem Satz bezog sich der Ortsbürgermeister auf Vorwürfe, über die die AZ bereits berichtete und die zuletzt auch in einem Offenen Brief des Schulfördervereins aufgelistet wurden. Demnach soll Familien von einer Einschulung von Kindern in Molzen abgeraten oder sie „mit Fehlinformationen in die Irre“ geführt worden sein. Im Brief wird auch auf eine Informationsveranstaltung der Schule eingegangen, die Kritiker, auch gestern im Ortsrat wieder, als „Abwerbeveranstaltung“ titulierten, weil Schüler an andere Grundschulen gelotst worden seien. Schuldezernent Dr. Florian Ebeling sagte als Reaktion auf die erneute Kritik an der Informationsveranstaltung: Es sei unerlässlich gewesen, den Eltern von Molzener Schülern zu erklären, was im Fall einer Schließung der Schule passiere. Den Umstand, dass der frühere Leiter der Grundschule Oldenstadt, an die Schüler im Fall der Schließung wechseln würden, anwesend gewesen sei, bezeichnete er als nicht glücklich.

Mit dem Offenen Brief hatte der Förderverein seinerseits bereits einen Antrag an den Stadtrat gestellt, der wie das Ortsratsvotum auf die Aussetzung der 13-Schüler-Klausel für ein Jahr abzielte. Der Ortsrat fügte seinem Antrag auch eine Begründung unabhängig vom „unfairen“ Umgang mit der Schule hinzu. Bisher seien Auswirkungen einer Schulschließung für das dörfliche Leben in keiner Weise berücksichtigt worden. Die Schule müsse erhalten werden, damit das Dorf sich auch weiterentwickeln könne, sagte gestern dazu Ortsrat Karl-Heinz Schmäschke.

Wie wird der Stadtrat nun über den Antrag aus Molzen entscheiden? Stefan Hüdepohl, Vorsitzender der CDU-Grünen-Gruppe im Stadtrat, gegenüber der AZ: Der Antrag werde verantwortungsvoll beraten. „Ein Ergebnis ist insoweit offen. Mit den Beteiligten werden Gespräche geführt. Einer schlüssigen nachprüfbaren Begründung des Antrags wird sich die Gruppe nicht verschließen.“

Klaus Knust, Vorsitzender der SPD-Fraktion, verweist auf einen gültigen Stadtratsbeschluss zur 13-Schüler-Klausel, der über Parteigrenzen hinweg gefasst worden sei. Ein Antrag auf Aussetzung für ein Jahr werde in der Fraktion beraten.

Joachim Delekat, einziges UWG-Mitglied im Stadrat, will sich an die Vorsitzende des Schulfördervereins, Hella Nottorf, wenden, um zu klären, ob – wie im Offenen Brief dargelegt – tatsächlich nicht mit fairen Mitteln gearbeitet wurde. „Sollte sich herausstellen, dass hier manipuliert wurde, dann allerdings stehe ich dem Antrag, die aktuelle Einschulungszahl nicht gelten zu lassen, positiv gegenüber.“ Auch die Gruppe Piraten/RRP will geklärt wissen, ob es zu Unregelmäßigkeiten kam. Sei dem so, sollte der Schule noch eine Chance gegeben werden, sagt Rolf Tischer (Piraten).

„Wir sind für Klarheit, sprich Schließung der Schule Molzen.“

Die Fraktion „WIR für Uelzen“ verweist auf ihre bisherige Haltung in der Frage. Susanne Niebuhr erklärt, dass man dabei bleibe. „Sowohl pädagogisch als auch finanziell gibt es für uns keinen Spielraum: Wir sind für Klarheit, sprich Schließung der Schule Molzen.“ Angesichts künftiger Schülerzahlen bliebe der Erhalt der Schule mehr als eine Hängepartie, die zu Lasten der Kinder ginge.

Henning Gröfke stellte gestern beim Ortsrat in Aussicht, dass für den Fall, der Stadtrat stimmt nicht dem Antrag zu, die Molzener ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Schule auf den Weg bringen könnten. Dafür benötige man die Zustimmung von zehn Prozent der Uelzener Einwohner.

Von Norman Reuter

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