In einem Jahr droht das Aus / Antrag auf Aussetzung des geltenden Ratsbeschlusses und offener Brief

Molzen: Förderverein kämpft weiter um Erhalt der Grundschule

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Die letzte Einschulung in Molzen? Wie berichtet fingen vergangenen Sonnabend zehn ABC-Schützen an der Grundschule an.

Uelzen. Das Aus der Molzener Schule scheint besiegelt, ganz geben Eltern, Förderverein und Ortsbürgermeister aber noch nicht auf. Gestern wurde ein Antrag auf Aussetzung des Schließungsbeschlusses sowie ein offener Brief an Rat und Verwaltung öffentlich.

Der Reihe nach: Nachdem zum zweiten Mal hintereinander weniger als 13 Schüler eingeschult wurden, greift ein Ratsbeschluss, der das Ende der bei Lehrern, Eltern und Schülern beliebten Schule vorsieht (AZ berichtete).

Konkret bedeutet dies für alte und neue Schüler der Schule sowie für deren Eltern: Die Grundschule wird entsprechend dem Ratsbeschluss „schnellstmöglich“ geschlossen, wie Stadtsprecherin Ute Krüger gestern gegenüber der AZ klarstellte. Diesem Beschluss folgend werde die Verwaltung die notwendigen Schritte unternehmen, die Schule nach diesem Schuljahr zu schließen – und um einen Ratsbeschluss zu ändern oder aufzuheben, bedürfe es eines Antrages aus den Reihen des Rates. Über diesen würde der Rat dann entscheiden.

Einen entsprechenden Antrag auf Aussetzung des Schließungsbeschlusses für ein Jahr schickte Hella Nottorf, Vorsitzende des Fördervereins der Schule, Montag an Bürgermeister Jürgen Markwardt. Unterzeichnet hat diesen Antrag unter anderem Henning Gröfke mit einem Verweis auf seine Tätigkeit als Ortsbürgermeister von Masendorf/Molzen/Riestedt – Gröfke ist aber auch Stadtratsmitglied für die CDU.

In dem Antrag wird der Bürgermeister gebeten, der „Eilbedürftigkeit“ der Sache Rechnung zu tragen und darum, dass der bis 31. Oktober gewählte Rat in der Sitzung am 26. September über diesen entscheide. Der Schulausschuss tage am 15. September das nächste Mal, es sei genug Zeit, den Antrag in Ruhe zu beraten, heißt es in dem Antrag.

In einem offenen Brief richteten sich Förderverein, Schulelternrat, die Elternvertreterin im Schulvorstand und Ortsbürgermeister Gröfke zusätzlich an Rat und Verwaltung der Stadt. Auch in diesem Brief bitten sie um den Erhalt der Schule und behaupten, dass im vergangenen Schuljahr „nicht alles mit rechten Dingen zugegangen“ sei und „nicht mit fairen Mitteln gekämpft wurde“.

Im Kern wiederholen sie Vorwürfe, die auch schon Gegenstand der AZ-Berichterstattung waren. Darunter eine Informationsveranstaltung vom 19. Mai, die die Kritiker als „Abwerbeveranstaltung“ titulierten, weil Schüler an andere Grundschulen gelotst worden seien.

Bürgermeiter Jürgen Markwardt legte gegenüber der AZ Wert auf die Sachlage. Der gültige Ratsbeschluss sei „eineinhalb Jahre alt und parteiübergreifend“ mit 34 zu vier Stimmen beschlossen worden. Trotz einer Öffnungsklausel seien zweimal hintereinander die Kennzahlen nicht erreicht worden, der Ratsbeschluss zur Schulschließung greife.

Nicht mehr betroffen von den Sorgen in Molzen ist die bisherige Schulleiterin Bärbel Brandt, gegen die in dem offenen Brief erneut harte Vorwürfe wegen ihres geringen Engagements für den Fortbestand der Schule formuliert werden. Anstatt, wie zwischenzeitlich angedacht, zusätzlich zur Leitung der Molzener Schule die kommissarische Leitung der Grundschule Oldenstadt zu übernehmen, ist Brandt kommissarische Leiterin der Schule in Holdenstedt geworden – ohne weiteres Engagement in Molzen.

Von Steffen Kahl

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