Vogelexperte Waldemar Golnik vom NABU zum Umgang mit Jungvögeln

„Mitnehmen ist verkehrt“

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Auch außerhalb des Nestes versorgen die Altvögel die Jungvögel, bis diese sich eigenständig auf Nahrungssuche begeben können.

Uelzen/Landkreis. Die Brutsaison hat begonnen und der kleine Vogel im heimischen Garten sitzt, scheinbar verlassen von seinen Eltern, auf einem Ast oder gar auf dem Erdboden. Wer jetzt gleich helfen will und den Vogel mit nach Hause nimmt, begeht einen Fehler.

„Mitnehmen ist grundverkehrt“, warnt Waldemar Golnik vom NABU-Kreisverband Uelzen.

„Viele Leute denken, der Vogel ist aus dem Nest gefallen“, weiß Golnik. Doch bei manchen Vogelarten wie Amsel, Meise, Fink, Waldohreule oder Bussard verlassen die Jungvögel das Nest, bevor sie richtig fliegen oder sich selbst versorgen können – sie sind sogenannte Ästlinge. In dieser Phase sind die Jungvögel noch auf die Hilfe der Altvögel angewiesen und lernen von ihnen, was sie zum Überleben brauchen.

Deshalb sei es wichtig, wenn man einen Jungvogel findet, diesen nicht vom Fundort zu entfernen – und bei Zweifeln oder einer Verletzung des Vogels den NABU zu informieren. „Ansonsten denken die Altvögel, der Jungvogel wurde zum Beispiel vom Fuchs geholt und akzeptieren ihn auch später nicht mehr – dann bleibt nur noch die Aufzuchtstation“, sagt Waldemar Golnik.

Ästlinge sind meist auch daran zu erkennen, dass ihr Federkleid noch nicht dem der Altvögel entspricht. Falls der Jungvogel noch von den Eltern umsorgt wird, kann es auch zu schmerzhaften Begegnungen kommen. Golnik: „Es kann durchaus sein, dass Jogger oder Spaziergänger im Wald von Vögeln angegriffen werden, wenn deren Nachwuchs in der Nähe versteckt ist und sie ihn verteidigen.“

Eine Hauptgefahr für die Jungvögel gehe von Haustieren aus, wie etwa wildernden Katzen. Deshalb sollten diese von ihren Besitzern mit Glöckchen ausgestattet werden oder nicht zur Brutzeit unbeaufsichtigt nach draußen gelassen werden, rät der NABU-Experte Golnik. Eine andere Gefahr seien Elstern und Eichelhäher, die Nester ausplünderten.

Bei ganz jungen Vögeln ohne Federkleid, die aus dem Nest gefallen sind, könne man hingegen versuchen sie wieder ins Nest zu setzen. Doch Golnik macht wenig Hoffnung: „Leider ist es für sie meistens zu spät.“

Von Lars Lohmann

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