„Mit Kleineren umgeben"

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Das letzte Foto, das die Mutter von ihrem Sohn hat, ist zehn Jahre alt: Jan O., zu der Zeit 16 Jahre alt, trägt seinen kleinen Bruder.

Uelzen/Bodenfelde - Von Thomas Mitzlaff. Der aus Uelzen stammende mutmaßliche Mörder der beiden Teenager Nina und Tobias aus Bodenfelde hätte nach Überzeugung der Polizei weitere Menschen umgebracht, wenn er nicht gefasst worden wäre. „Es deutet alles darauf hin, dass er weiter gemacht hätte“, erklärt der Northeimer Kripo-Chef Andreas Borchert, „dafür gibt es objektive Hinweise“.

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Meldungen wie diese hört Andrea O. 200 Kilometer entfernt in Uelzen mit großer Bestürzung. „Ich hoffe so, dass es die beiden einzigen waren, die er umgebracht hat“, sagt die 52-Jährige zur AZ. Aber sie sagt auch über ihr Kind: „Ich weiß nicht, ob er noch mehr getötet hat.“ Aus dem Radio hat die Mutter erfahren, dass ihr heute 26-jähriger Sohn ein Doppelmörder sein soll. „Wie man mit so etwas leben soll, ich weiß es nicht“, sagt die Frau, die seit Jahren in psychiatrischer Behandlung ist. Dass Jan zu Gewaltausbrüchen neigt und cholerisch ist, weiß sie seit langem, doch für sie ist er auch ein Opfer – das der zerrütteten Familienverhältnisse, unter denen er in Uelzen aufwuchs. „Das soll keine Entschuldigung sein“, sagt sie hilflos, „die Eltern der Getöteten tun mir unendlich leid“.

Nach Medienberichten hat Jan O. im Internet mit seinen Taten geprahlt und weitere Morde angekündigt. Dort gab er sich den Namen „Kingjany“. Die entsprechende Seite im Netz ist aber inzwischen gesperrt. „Er hat ein gestörtes Verhältnis zu Mädchen“, sagt dazu die Mutter, „er hat sich immer an Kleinere gehalten und sich mit ihnen umgeben.“ Eines Tages habe sie unbemerkt seinen Computer überprüfen können, „da habe ich dann auch solche Seiten mit kleinen Mädchen gesehen“.

Stationen einer kriminellen Jugend

Der Fall Jan O.: Stationen einer kriminellen Jugend

Jan O. war damals 15 Jahre alt und hatte bereits versucht, in Uelzen ein Geschäft auszurauben. In den Jahren 2002 bis 2007 beschäftigt Jan O. dann ständig die Kriminalpolizei. Rund 70 Straftaten sammeln sich in seiner Akte an, bis er schließlich 2007 vom Amtsgericht Uelzen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wird, die er zum großen Teil in Lüneburg absitzt.

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