Christian Meyer unterstützt Baucks Bruderhahn-Initiative

Minister prüft Stopp der Küken-Tötung

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Auf dem Bauckhof in Klein Süstedt dürfen auch männliche Küken leben. Landwirtschaftsminister Christian Meyer stellt sich hinter die Bruderhahn-Initiative.

Klein Süstedt/Rosche/Nürnberg. Alles bio, so könnte man die Messe Biofach in Nürnberg überschreiben. Die Branche befindet sich im Aufwind. Um mehr als sieben Prozent deutschlandweit stieg 2013 der Umsatz bei ökologischen Lebensmittel.

Davon profitieren auch die Biobauern. Einer der Pioniere der Biolandwirtschaft, der Bauck-Hof, war direkt auf der Biofach vertreten.

Müsli und Brotbackmischungen präsentierte die Bauck GmbH aus Rosche. Carsten Bauck aus Klein Süstedt warb für seine Bruderhahn-Initiative. Zwölf Höfe von Flensburg bis zu den Alpen haben sich bereits entschieden, auch männliche Küken aufzuziehen, die üblicherweise abgetötet werden. Auch ein Babykosthersteller will einsteigen. „Das wird richtig mehr werden“, ist Bauck überzeugt.

Mit vier Cent pro Ei retten die Kunden den Bruderküken das Leben, die üblicherweise getötet und in Niedersachsen verfüttert werden. „Es kommt sehr gut an, dass die Kunden über den Preis ethische Prozesse in der Landwirtschaft steuern können“, berichtete Bauck der AZ.

Auch Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne), der den Stand des Klein Süstedters am Nachmittag besuchte, begrüßte die Initiative als Schritt in die richtige Richtung. Und kündigte konkrete Entscheidungen an: „Der Minister prüft ein Enddatum, ab dem das Töten von Eintagsküken verboten sein soll“, berichtete Pressesprecher Klaus Jongebloed auf AZ-Nachfrage. Carsten Bauck geht es bei seiner Initiative noch um Grundsätzlicheres: Das Signal, dass Landwirtschaft wieder bäuerlich organisiert wird. Konkret geht es um die Nachzucht: „Es gibt nur zwei Zuchtkonzerne weltweit. Wir Bauern sind nur die Empfänger.“

Christian Meier nutzte gestern die Gelegenheit, um weitere Starthilfen für umstellungswillige Landwirte anzukündigen. Bislang war Niedersachsen mit 2,8 Prozent der Bio-Anbaufläche Schlusslicht. 2013 wurde die Umstellungsprämie von 262 auf 320 Euro je Hektar erhöht. Jetzt will Meyer „noch eine Schippe drauflegen“. Auch die Beibehaltungsprämie soll nach einer Erhöhung um 50 Prozent noch einmal steigen.

„Im Biobereich sind die Preise nicht so stark wie in der konventionellen Landwirtschaft gestiegen. Da braucht man einen zusätzlichen Anreiz“, meint Biobauer Henner Schlichting. Er weiß, dass die Umstellung nicht einfach ist. Da ist vor allem die Sorge vor einem Verlust der Ernte durch Krankheiten und Schädlinge. Schlichting kann beruhigen: „Wenn man nicht so stark düngt, sind die Pflanzen gesünder.“ Eine Ausweitung der ökologisch bewirtschafteten Flächen sei nur sinnvoll: „Der Verbrauch ist größer als die Zahl der Biobetriebe.“ Tatsächlich kommt mittlerweile jede zweite Biokartoffel aus dem Ausland.

Von Gerhard Sternitzke

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