AZ-Onlineredakteur macht den Selbsttest: Ist „Minecraft“ wirklich ein Gewaltspiel?

Klötzchen bauen und nicht ballern

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Sogar auf dem Smartphone spielbar: Onlineredakteur Michael Koch probierte das Aufbauspiel „Minecraft“ aus.

Uelzen/Landkreis. Ballerspiele gibt es schon fast so lange wie es Computer gibt. Heute wahrscheinlich schon in Vergessenheit geraten ist ein Titel, der sich diese Bezeichnung redlich verdient hat: „Moorhuhn“.

Ein Hype brach um das Spiel kurz vor der Jahrtausendwende aus, in dem buchstäblich und ausschließlich geballert wurde – nämlich auf das Moorhuhn. In eine andere Schublade gehört sicher „Minecraft“.

Das Klötzchenspiel, das weltweit den Hype des Moorhuhns mittlerweile locker in die Tasche steckt, wird und wurde häufiger auch als Gewaltspiel betitelt. So auch im Rahmen der Präventions-Puppenbühne der Polizeidirektion Lüneburg (AZ berichtete). Aber warum?

Der Selbsttest legt nahe: Wenn „Minecraft“ eines ganz bestimmt nicht sein will, dann ein Baller-, oder gar Gewaltspiel. Ein Blick auf die Altersfreigabe für „Minecraft“ in Deutschland: „Freigegeben ab 6 Jahren“. Spätestens jetzt sollten jene ihre Ansicht zu dem Spiel hinterfragen, die bei dem Klötzchen-Zeitvertreib allzu extreme Gewalt vermuten. Denn Deutschlands Jugendschützer gelten nicht gerade als zimperlich, geht es darum, eine Jugendfreigabe für Videospiele zu verweigern.

Nein, auch nach längerem Spiel steht dem Spaß à la Sandkasten-Prinzip nichts im Wege. Denn vordergründig geht es nicht darum, sein Gegenüber, wie in „Moorhuhn“, mit einer Ladung Schrot abzuknallen. Stattdessen das Fazit: Wer als Kind gern mit Lego-Steinen spielte, der wird auch empfänglich sein für das Zusammenfügen der Blöcke in „Minecraft“. Die gilt es aber erst einmal zu schöpfen, nämlich aus dem, was so da ist in der „Minecraft“-Welt.

Die Resultate begeistern: Findige Spieler haben unter anderem den Kölner Dom, oder ein Traumschiff nachgebaut. Das belegt der Blick in eine Suchmaschine. „Hut ab!“, sagt ein „Minecraft“-Anfänger.

Tatsächlich führt auch der Weg in „Minecraft“ nicht immer an Auseinandersetzungen vorbei – gegen Monster. Das Erscheinen der Monster kann jedoch abgestellt werden. Diese lauern, sofern nicht abgestellt, vornehmlich in den Höhlen. Auch in der Nacht – es gibt einen Tag- und Nachtwechsel im „Überlebensmodus“ – empfiehlt sich ein sicheres Versteck, etwa vor Zombies. Wie blutrünstig ein womöglicher Kampf mit den Klotzköpfchen ausfällt, lässt sich erahnen, hält man sich erneut die Altersfreigabe vor Augen.

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