„Metronom ist in Gefahr“

Wohin führt der Weg der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom und ihrer Mutter OHE? Sollte die Deutsche Bahn den britischen Arriva-Konzern kaufen und gleich weiterveräußern, könnte das negative Folgen für Metronom haben.Archivfoto: Ph. Schulze

bs/me Uelzen/Landkreis. Genau davor hatten Kritiker gewarnt, als 2007 die Landes- und Bundesanteile der Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) an den britischen Investor Arriva verkauft wurden: Die OHE ist zur Karte im Poker der internationalen Konzerne geworden. Jetzt will die Deutsche Bahn (DB), der die OHE mit ihrer Tochter, der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom, ernsthafte Konkurrenz macht, Arriva kaufen – und dem Vernehmen nach gleich wieder an ausländische Investoren weiterveräußern.

Will die DB so lästige Konkurrenz aufs Abstellgleis rangieren? Genau das fürchtet OHE-Aufsichtsratsmitglied Klaus Wiswe. Der Celler Landrat hat daher einen Hilferuf an die Spitzen der Bundes- und Landespolitik gesandt, darunter an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Landeswirtschaftsminister Jörg Bode und an alle niedersächsischen Bundestagsabgeordneten. OHE und Metronom seien in „höchster Gefahr“, schreibt Wiswe. „Dieser Brief ist der letzte Versuch, drohendes Unheil von der OHE abzuwenden.“

Die Absicht der DB, Arriva zu verkaufen, laufe „den Interessen des Landes Niedersachsen, der kommunalen Gesellschafter an der OHE, der Mitarbeiter bei der OHE-Gruppe – insbesondere bei Metronom – und letztlich auch den Interessen der Menschen vor Ort massiv zuwider“, erklärt Wiswe. Er befürchtet, dass die DB an einer starken Metronom-Gesellschaft kein Interesse hat und diese durch einen Weiterverkauf schwächen will. „Diese Unruhe und die fehlende Klarheit über die zukünftige Eigentümerstruktur führen denn auch dazu, dass gerade gute Mitarbeiter mit beruflichen Alternativen das Unternehmen verlassen und so das Unternehmen weiter geschwächt wird.“

Wiswe plädiert daher für die Übernahme der Arriva-Anteile an der OHE durch ein norddeutsches Unternehmen, etwa durch die Niedersächsische Eisenbahngesellschaft oder die Hamburger Hochbahn. „Wir brauchen politischen Druck für eine solche Lösung“, betont Wiswe.

Auch die Uelzener SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann favorisiert „ein norddeutsches Unternehmen, das die Interessen unserer Region unterstützt und die Arbeitnehmerrechte wahrt“, sagt sie im Namen der niedersächsischen SPD-Bundestagsabgeordneten. „Wir lehnen eine Firma, die ihrer Belegschaft Niedriglöhne bezahlt, ab.“ Mit Branchentarifverträgen für das gesamte Eisenbahngewerbe könnten „der Belegschaft der OHE ihre Zukunftsängste genommen werden“, meint sie.

Uelzens Erster Stadtrat Jürgen Markwardt wünscht sich ebenfalls „im Hinblick auf den Fortbestand des Unternehmens und insbesondere zum Schutz der Mitarbeiter eine solide, möglichst regionale, norddeutsche Lösung unter der Voraussetzung, dass die Leistungsfähigkeit der OHE und der metronom erhalten bleiben“. Die Stadt Uelzen, Gesellschafterin der OHE, werde sich „für diese Lösung aussprechen und einsetzen“.

Nach den Worten des Uelzener CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Hillmer ist die geplante Arriva-Übernahme durch die DB offenbar bei der EU-Kommission noch nicht angemeldet worden. „Ein formales Fusionskontrollverfahren wird von der Europäischen Kommission zum jetzigen Zeitpunkt daher noch nicht geführt“, hat Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, Hillmer mitgeteilt.

Der CDU-Politiker hat Bedenken hinsichtlich des beabsichtigten Arriva-Kaufs. Er will, „dass das Kartellamt und die EU den Schutz der Wettbewerbspotenziale, die bei der Metronom-Gesellschaft nachweislich gegeben sind, bei der Übernahme der Arriva durch die Deutsche Bahn genau im Blick behalten“.

Kommentare