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„Mensch 2015“: Sina Horn engagiert sich für Flüchtlinge – im Internet und vor Ort

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Integration kann nur gelingen, wenn es einen unbefangenen Umgang miteinander gibt.

Uelzen. Bis zum Sommer des zurückliegenden Jahres ist Sina Horn eine junge Frau, die als Angestellte im öffentlichen Dienst Freude an ihrer Arbeit hat. Sie greift in ihrer Freizeit zu einem guten Buch, malt verbringt sie mit ihren Freunden.

Völlig unbedarft, erzählt die 22-Jährige, sei sie dann einer Einladung in die Flüchtlingsunterkunft am Fischerhof gefolgt. Sofort ist sie völlig beeindruckt von der Herzlichkeit der Bewohner aus Afghanistan, Indien, Senegal, Serbien und Syrien. „Die Bewohner fragten mich alle zuerst, ob ich beim Deutschlernen helfen könnte“, erinnert sie sich sieben Monate später. Inzwischen organisiert sie die Flüchtlingshilfe in Uelzen mit.

Aufgrund ihres Engagements ist Sina Horn eine der zehn Nominierten für die Wahl „Mensch 2015“, eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen.

Ab heute können die AZ-Leser ihre Stimme abgeben – nur mit Originalcoupons aus der AZ. E-Paper-Kunden können aber auch mit einem Ausdruck des Coupons teilnehmen, wenn sie darauf ihre Kundennummer eintragen.

Für Horn ist von Beginn ihres Engagements an klar, dass am Anfang einer gelungenen Integration ein unbefangener Umgang miteinander steht, aus dem sich ein nachbarschaftlicher Kontakt entwickeln kann. Konkret hieß das: „Wir übten Deutsch, malten Bilder, backten Kuchen, sammelten Pilze, kochten gemeinsam deutsche und internationale Gerichte.“

Horn beginnt bald, ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Mit ihrem Internet-Blog will Sina Horn Verständnis schaffen für die Menschen, die auf ihrer Flucht vor Krieg und Gewalt von weit her nach Uelzen gekommen sind. „Was zunächst wie ein Tagebuch begann, entwickelte sich sehr schnell zu einem gemeinschaftlichen konkreten Handlungspaket von Menschen, die den Flüchtlingen ebenfalls helfen wollten“, resümiert sie heute. Überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die sich in der von ihr ins Leben gerufenen Facebook-Gruppe „Flüchtlingshilfe Uelzen“ offenbarte.

Der Aufruf für einen Vogelkäfig, den sich der Iraner Alireza Momeni wünschte, bringt im Juni die Hilfsbereitschaft ins Rollen. Heute leben zwei Wellensittiche bei Momeni. Schnell schließen sich weitere Personen der Gruppe an. Als die Jury zur Nominierung für „Mensch 2015“ in dem Konferenzraum des AZ-Verlagshauses beisammen sitzt und Sina Horn unter den Leser-Vorschlägen als eine von zehn Menschen auswählt, zählt sie 1299 Mitglieder.

„Zwischendurch dachte ich, es überrollt mich.“ Auf der Internetplattform ziehen sie und ihre Mitstreiter die Notbremse. „Lest erst mal die Eingangsinformationen, bevor ihr Fragen stellt“, bitten sie die Nutzer, die helfen wollen. Alltagsgüter vom Schnuller bis zum Fernseher wechseln über die Gruppe den Besitzer. Die Gruppen-Mitglieder reagieren auch schnell bei der Ankunft von Flüchtlingen am Bahnhof. Ein Helfer-Café, Kleiderspenden, Freifunk-Verfügbarkeit, Essenausgaben in den Notunterkünften, Deutschkurse und Möbelgesuche werden zudem über die Facebook-Gruppe organisiert. Ebenso schnell werden über die Facebookseite Netzwerke mit anderen Helfer-Gruppen gebildet.

Sina Horn steht nicht gerne im Mittelpunkt und der Vorschlag für „Mensch 2015“ war ihr zunächst peinlich, sagt sie. Andererseits erkennt die 22-Jährige an, dass es der guten Sache nützt. Letztlich ist es der Unbefangenheit von Sina Horn zu verdanken, dass Uelzener sehr schnell auf den individuellen Bedarf von Flüchtlingen reagieren können.

Von Angelika Jansen

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