Mensch 2013: Horst Schulz erfreut die Uelzener 24 Abende im Advent

Der Mann am Fenster

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Sein Onkel schenkte ihm im Kindesalter seine erste Trompete, obwohl er ein Jagdhorn haben wollte. Heute ist Horst Schulz auch auf anderen Instrumenten ein versierter Musiker.

Uelzen. Seit elf Jahren steht Horst Schulz zuverlässig 24 Abende am offenen Fenster und lässt es mit seiner Trompete in Uelzen Weihnachten werden.

Die wenigsten dieser Menschen, die in der Adventszeit Abend für Abend den Trompetenklängen lauschen, wissen, dass „der Trompeter Horst Schulz“ sich schon seit über vier Jahrzehnten in der Uelzener Musikszene ehrenamtlich engagiert. Sein Onkel, ein Jagdhornbläser, schenkte dem elfjährigen Horst damals eine Trompete, „obwohl er sich ein Jagdhorn gewünscht hatte“, wie sich Schulz heute noch gut erinnert.

Lange Jahre spielte Horst Schulz für die Oldenstädter Schützen, machte später Lehrgänge und setzte sich für die Ausbildung des Nachwuchses ein. „Auf allen Instrumenten“, sagt Schulz, der nicht nur auf der Trompete ein versierter Musiker ist. Der frühere Angestellte der Telekom ist ein Mann, der gerne zupackt, wo seine Hilfe gebraucht wird. Ob am Arbeitsplatz, im Sportverein oder bei der Musik: „Wenn mich jemand um Unterstützung bittet, möchte ich niemanden enttäuschen.“ Aber die Musik ist ihm eine Herzensangelegenheit. Das macht er gerne und da fällt es ihm leicht, mal einzuspringen.

So macht „Hotte“, wie ihn seine guten Freunde nennen, schon seit weit über 30 Jahren den „Turmbläser“. „Das bin ich ja nicht alleine“, meint Schulz, der gerne unbemerkt bleibt, bescheiden. Im Quartett steigen vier Bläser auf den Turm der St.-Marien-Kirche, um die Uelzener Schützenfest-Saison einzuläuten. Seit über 30 Jahren spielt Horst Schulz mit einem weiteren Musikerfreund nach der Christmesse an der Hauptwache in Faßberg und bläst gemeinsam mit einem Musikerfreund für die Soldaten, die Heiligabend in der Kaserne verbringen müssen, ein Weihnachtslied. Seit 25 Jahren gehört er auch der Big Band Bad Bevensen an und hat vor einigen Jahren die musikalische Leitung der Lenz-Musikanten übernommen, als der frühere Dirigent sich aus Altersgründen zurückzog. Und nicht zuletzt leitet er die Suhlendorfer Feuerwehrkapelle.

Kurz hatte er darüber nachgedacht, Berufsmusiker zu werden, nachdem er die Prüfung bei der Bundeswehr bestanden hatte. Doch er blieb seinem Arbeitgeber treu. Trotzdem ist sein Leben Musik. Nach den Proben schreibt er zu Hause Noten für seine Musikerfreunde. „Manche Noten sind im Laufe der Jahre so alt geworden, dass sie nicht mehr lesbar sind“, entschuldigt er sich beinahe für diesen Einsatz, mit dem er vielen Musikern im Kreis einen großen Dienst erweist. Als sein Blechbläser-Ensemble vor nun fast zwölf Jahren gefragt worden war, ob sich einer vorstellen könnte, 24 Abende aus dem Dachfenster des Alten Rathauses Trompete zu spielen, war er der Einzige, der das in seiner Zeitplanung berücksichtigen konnte. „Da dachte doch niemand daran, dass dieses Ereignis solch einen Anklang in der Bevölkerung finden würde.“ Inzwischen freut es ihn, wenn beim ersten Trompeten-Klang alle Blicke nach oben zum Fenster gehen. „Zunächst war es ungewohnt vor so vielen Menschen zu spielen.“

In diesem Jahr musste er sich am ersten Abend des Adventskalenders vertreten lassen, weil die Rückreise vom Skiurlaub sich um zwei Stunden nach hinten verschoben hatte. „Sonst wäre ich da gewesen“, sagt Schulz.

Von Angelika Jansen

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