Werner-Bergengruen-Preis 2011: Autor Peter Kurzeck wurde ausgezeichnet

Ein Meister des Details

Der Werner-Bergengruen-Preis des Jahres 2011 wurde vom Präsidenten der Gesellschaft Eckard Lange an Peter Kurzeck (links) überreicht.

Uelzen. Es ist erst das zweite Mal, dass die Werner-Bergengruen-Gesellschaft mit Sitz in Uelzen den gleichnamigen Preis vergab.

Aus diesem Anlass fand sich am Sonnabend ein kleines Publikum im Veranstaltungssaal der Sparkasse zusammen, um vor allem Sprache ein Fest feiern zu hören. Sowohl Laudator Wend Kässens formulierte in seiner großartigen Rede zu Ehren des Preisträgers Peter Kurzeck brillant, dieser selbst machte mit einer kurzen Lesung aus „Vorabend“, dem fünften Band seiner auf zwölf Bände angelegten Jahrhundertlebenserzählung, deutlich, dass er, wie kaum einer, sich dieses Preises als würdig erweisen würde.

Peter Kurzeck, geboren 1943 in Böhmen, stellt sich dem Zwang, Erinnerung aufzuschreiben. Weil alles, „was man sich nicht merkt, vergessen werden kann“.

Es sei kein geringes Programm, so Wend Kässens, „verloren gegangenes Leben sich schreibend zurückerobern zu wollen.“ Wie sehr es Kurzeck gelinge, stellte er vor Auge und Ohr der Zuhörer.

Wend Kässens

Kurzeck erzähle minutiös, er arbeite mit Sprache, jeder Satz sei austariert, dem „mit Sympathie schweifenden Blick“ entgehe nichts. Der Autor sei ein Menschenfreund, der nichts und niemanden um die eigene Pointe verriete, betonte Kässens. „Man nennt ihn einen Sisyphos der Erinnerung“, erklärte er, „dem Leser führt dieses Werk Leben zu.“ Deshalb, so das Credo, sei dieser große Erzähler Kurzeck, den die Kritik angesichts auch der Dimension seines Schreibprojekts an Proust, Joyce, Musil und Döblin misst, eines Bergengruen würdig. Zu Beginn der Preisverleihung hatte der Präsident der Gesellschaft, Eckard Lange, betont, dass die Bergengruen-Gesellschaft kein „lokales literarisches Kränzchen“ ist. „Sondern eine internationale Gesellschaft mit Mitgliedern in der Schweiz, Italien, Polen und Kanada.“ Anliegen sei, an das Werk Werner Bergengruens (1892 bis 1964), den die Wissenschaft als Hauptvertreter der inneren Emigration während der Nazizeit in Deutschland wieder entdeckt, zu erinnern und ihn Jüngeren nahezubringen. Eine Werkausgabe ist geplant.

Der Dank des Preisträgers war als Gespräch mit seinem Laudator konzipiert, in dem sich Kurzeck zu seinem Tick bekannte, Angst vor einer ausbrechenden Papierknappheit zu haben und versprach, der sechste Band werde „unter 200 Seiten bleiben“. Dem Zuhörer kamen sofort Zweifel angesichts des mündlichen Exposés, das der Autor bereitwillig aufblätterte und in dem er sich genauso als begnadeter mündlicher Erzähler darzustellen wusste.

Von Barbara Kaiser

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