„Mein Opa ist im Himmel“

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Spannende Reise durch ein Menschenleben – und das an einem ungewöhnlichen Ort: Die Erstklässler der Lucas-Backmeister-Schule bestaunten Thomas Pohle im Bestattungshaus.

Uelzen. Im Theater waren die 34 Schüler der ersten Klassen der Lucas Backmeister-Schule noch nie. Und in einem Beerdigungsinstitut auch noch nicht. Am Donnerstag spielte Thomas Pohle vom Wunderland Theater sein Theaterstück „Mit Großvater über die Meere“ für die Kinder in der Abschiedshalle des Bestattungshauses Kaiser am Schnellenmarkt. Eine Doppelpremiere also für die Kinder und zumindest die Umgebung schien doch ein wenig gruselig zu sein: „Gibt’s hier Gespenster?“, wollte nicht nur ein Kind wissen.

Kreischende Kinder, als zu Beginn des Stückes das Licht ausging, doch schnell hatten die Kinder sich wieder gefangen und ließen sich in Bann schlagen von der Geschichte des Großvaters, der die Weltmeere befahren hat, als Schiffsjunge zunächst, wenig später aber schon als Steuermann und zuletzt als Kapitän. Der tausend Abenteuer bestanden und Stürmen getrotzt und einen Schiffbruch überlebt hat. Der heiratet und einen Sohn bekommt, den er fast nie sieht, weil er immer auf Reisen ist.

Als er zu alt geworden ist für die Seefahrt, erzählt er seinen Enkeln seine Lebensgeschichte, singt ihnen die Seemannslieder vor.

Wunderbar, wie Pohle mit einfachsten Mitteln und ganz alleine Stürme auf der Bühne toben lässt, auf einer Seekiste auf den Wellen dümpelt oder mit einer Südseeschönheit tanzt. Aber irgendwann tritt Opa seine letzte, lange Reise an...

„Ich hatte eigentlich zwei Opas“, erzählt einer der Schüler, rotwangig und offenbar noch aufgewühlt, nach dem Stück, „aber mein einer Opa ist jetzt im Himmel“. Und Pohle sinniert ganz ernsthaft: „Vielleicht sitzt er ja mit meinem Opa da oben und die beiden singen zusammen Seemannslieder.“

Ziemlich anspruchsvoll fand Pohle sein junges Publikum und teilt die Bedenken einer Lehrerin nicht, die Kinder könnten das mit der „letzten Reise“ vielleicht nicht verstanden haben. „Die ziehen sich das aus dem Stück raus, was sie verarbeiten können“, sagt er, „und wer schon mal Erfahrungen mit dem Tod in der Familie gemacht hat, der zieht eben mehr raus.“

Von Jürgen Köhler-Götze

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