Mehr Wasser für Bauern?

Fast alle Felder im Landkreis Uelzen werden beregnet. Immer schon war das ein Spagat zwischen Sicherung der Ernte und Erhalt des Grundwassers. Foto: Köhler-Götze

Uelzen/Landkreis. „Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht endlich ausgiebig regnet, dann kriegen wir echte Probleme“, sagt Hinrich Hüwing. „Wenn ich über einen Feldweg fahre, dann ziehe ich eine Staubfahne hinter mir her wie bei der Rallye Paris-Dakar.“

Für den Pflanzenbauberater der Landwirtschaftkammer, Bezirksstelle Uelzen, ist der Staub das kleinste Problem. Wesentlich mehr Sorgen machen ihm und den Landwirten im Kreis Uelzen derzeit die Wintergerste und der Raps.

Die Gerste, die im vorigen Herbst erst sehr spät gesät werden konnte, habe sich sehr bescheiden entwickelt. Danach kam der lange und strenge Winter. Der brachte zwar nicht wenig Schnee, aber „bei den Winterniederschlägen fehlen uns zwischen Oktober und März rund 100 Millimeter.“

Im Frühjahr sah es für die Landwirte nicht besser aus. Das Minus bei den Niederschlägen im Kreisgebiet summierte sich bislang auf 150 Millimeter. Wer seine Wintergerste nicht beregnen konnte oder wollte, muss mit deutlichen Ernteverlusten rechnen. Teilweise sei die Gerste sogar abgehäckselt worden, weiß Hüwing, um Biogasanlagen damit zu beschicken.

Ähnlich ist es um den Raps bestellt, wenn er denn nicht beregnet wird. Die Bauern aus Schleswig-Holstein melden Ausfälle von 30 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern, wo kaum beregnet wird, sieht es nicht besser aus. Vereinzelt wird auch im Kreis Uelzen bereits der Raps untergepflügt, weil abzusehen ist, dass er nicht die erwarteten Erträge abwirft. Die Wurzeln der Pflanzen sind unterentwickelt. Statt Pfahlwurzeln von bis zu einem Meter Länge auszubilden, reichen die Wurzeln nur zwischen 30 und 40 Zentimeter tief.

Mais ist ebenfalls mit deutlicher Verspätung und teilweise lückenhaft aufgelaufen. Bei Kartoffeln ist die Lage noch nicht so kritisch. Die leben anfangs noch aus der Knolle, aber auch hier liegt der Dünger auf dem Feld auf und ist nicht für die Pflanzen verfügbar. Die Beregnungsanlagen laufen auf Hochtouren. Viele Bestände sind bereits zwei Mal beregnet worden, eine dritte Gabe stehe jetzt eigentlich an, so Hüwing. Damit wäre das Wasserkontingent der Bauern jedoch ausgeschöpft. Das erlaubt eine Beregnung von 70 Millimetern im Siebenjahresmittel.

Bislang ist aus Kreisen der Landwirte noch niemand mit Forderungen nach einer Freigabe von mehr Wasser für die Beregnung vorgeprescht. Zwischen Umweltbehörde und Bauernverband gibt es ein Stillhalteabkommen bis 2013, während gleichzeitig in aller Stille um die Wasserentnahmerechte verhandelt wird.

Die CDU-Kreistagsfraktion beantragte jetzt jedoch die einmalige Freigabe von 30 Millimeter Zusatzwasser – ein Antrag, den auch CDU-Landratskandidat Heiko Blume unterstützt. Ein Antrag, der selbst bei Landwirten auf Vorbehalte stößt. Man habe immer schon solche Trockenjahre gehabt, heißt es, und die Grundwasserlage sei extrem angespannt.

Von Jürgen Köhler-Götze

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