Freiwillige kümmern sich Nacht für Nacht am Bahnhof um Flüchtlinge

Mehr als nur ein Schlafplatz am Bahnhof

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Seit gestern ist auch die Suhlendorferin Tanja Mueller (M.) mit im Helferteam im Gebäude der Bahnhofsmission. Hilal Sezgin und Ijos Bietzker haben die Hilfe für Flüchtlinge angeschoben.

Uelzen. Hilal Sezgins Waschmaschine läuft nahezu pausenlos. In der Trommel dreht sich Bettwäsche. Ijos Bietzkers Laken und Bezüge sind zum größten Teil auch nicht mehr daheim, sondern ebenfalls in der Bahnhofsmission in Uelzen.

Dort kümmern sich mittlerweile 30 Helfer um Flüchtlinge, die abends oder nachts am Hundertwasser-Bahnhof stranden und erst am frühen Morgen weiter gen Norden mit der Bahn weiterfahren können. Im Obergeschoss der Mission ist ein Schulungsraum zum kombinierten Speisesaal und Matratzenlager umgewandelt worden. „Wir helfen an der Stelle, wo sich keiner wirklich zuständig fühlt“, sagt der Mediziner aus dem Wendland.

Über Facebook wurde Bietzker auf die Situation aufmerksam und setzte sich ins Auto. Im Kofferraum Isomatten und Decken. Er wollte sich persönlich überzeugen, ob die Schilderung so zutrifft. „Die Menschen lagen auf dem Steinboden der unterirdischen Gänge im Bahnhof. Darunter kleine Kinder im Alter von etwa zwei bis vier Jahren und deren Mutter und eine junge schwangere Frau. Ich war schockiert“, berichtet Bietzker. Drei Tage später, Montag, 23. November, nahm der Arzt Kontakt mit der Bahnhofsmission auf. Missions-Leiter Wolfgang Scholz stellte den Raum sofort zur Verfügung.

Seitdem vergeht keine Nacht, in der nicht Menschen von den Helfern betreut werden. In der Spitze waren es über 40 Menschen. Die Unterstützung seitens der Stadt und des Landkreises Uelzen sowie der Bundespolizei nennt Bietzker „zurückhaltend“. Die freiwilligen Helfer, die unter anderem aus Lüneburg, Hamburg, Hannover oder dem Wendland kommen, machen weitaus mehr, als den Menschen nur eine Schlafgelegenheit zu geben. Mittlerweile verteilen sie Kleiderspenden. „Die meisten haben keine Winterkleidung. Manche nicht einmal Socken an den Füßen“, sagt Bietzker.

Gestern gab’s professionelle Unterstützung für die Freiwilligen. Das Bahnunternehmen Metronom übernimmt nun die Reinigung der Räume. Das freut die Aktivisten. Gleichwohl sagt Ijos Bietzker: „Das Problem mit den Menschen, die hier stranden, ist nicht gelöst. Es liegt auf den Schultern von freiwilligen Helfern, die alle im Berufsleben stehen.“ Er selbst hatte sich unlängst freie Tage genommen und zehn Nächte am Stück in der Bahnhofsmission geholfen.

Von Jens Schopp

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