Mehr Ruhe für Wild und Jagd

Gartower Forst soll zu bestimmten Zeiten für die Öffentlichkeit geperrt werden

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Vor allem, um eine effektive Jagd auf das Rotwild zu ermöglichen, soll der Gartower Wald – zumindest in Teilen – zeitweise für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Die Behörden haben grünes Licht gegeben.

Gartow. Der Wald ist für alle da. Jeder hat das Recht, ihn zu betreten, er dient der Erholung, der Freizeitgestaltung. Doch dieses Recht kann eingeschränkt werden. In Ausnahmefällen.

Im Raum Gartow soll nun genau das passieren: Dort soll künftig ein zeitlich begrenztes Betretungsverbot gelten, für die Wälder der gräflichen Forst. Um den Wald zu schützen, heißt es. Allerdings nicht vor den Spaziergängern, Joggern, Pilzesuchern und Reitern, sondern vor dem Wild. Denn das Betretungsverbot soll in den Wäldern wieder eine erfolgreichere Jagd ermöglichen, um so den aus dem Ruder gelaufenen Bestand an Rot-, Dam- und Schwarzwild zu regulieren. Weil sich das Wild im Wald an jungen Bäumen und Büschen gütlich tut, betonen sowohl die Gräflich von Bernsdorffsche Forstverwaltung als auch der Gartower Hegering. Das habe verheerende Auswirkungen.

Zeichen für diesen Verbiss finden sich überall. Kaum eine junge Eiche, Douglasie oder auch Kiefer, an denen sich keine Fraßspuren finden. In einigen Bereichen haben Förster die verbissenen Bäume mit farbigen Bändern markiert – und es findet sich kaum ein Baum ohne Bändchen. „Das Problem ist nicht wegzudiskutieren“, sagt Fried von Bernstorff, Eigentümer des gräflichen Waldes um Gartow. Seit mehreren Jahren schon beobachten er und seine Mitarbeiter, dass sich in den Wäldern des Ostkreises kein vernünftiger Unterwuchs mehr entwickelt, weil jeder Baum ab- oder wenigstens angefressen wird. „Solche Bäume entwickeln sich nicht richtig, wachsen, wenn überhaupt, krumm und schief, bleiben klein und verkrüppelt. Nutzlos aus forstlicher Sicht“, sagt Förster Ralf Abbas, Leiter des Jagdbetriebes der von Bernstorff‘schen Betriebe. Der hohe Wildbestand torpediere auch den Waldumbau, die Maßnahmen, um aus den vorherrschenden Kiefern-Monokulturen naturnahe Wälder zu machen.

„Um den Wald mittelfristig zu stabilisieren und in naturgemäße Bestände zu überführen, ist eine zielgerichtete und ökosystemverträgliche Bejagung notwendig“, meint Abbas. Diese Bejagung sei in den vergangenen Jahren durch „massive Störungen durch den Besucherverkehr schwieriger und teilweise erfolglos geworden“. Selbst Gemeinschafsjagden blieben teilweise erfolglos. „Ab August durchkämmen Pilzsucher die Einstände des Wildes, während der Brunftzeit im September stellen Tierfotografen dem Wild nach“, berichtet Abbas. Die Folge sei, dass das Wild im Wald bleibe und dort Schäden verursache.

Daher nun der Schritt zur „Einschränkung des allgemeinen Betretungsrechts“. Das soll von September bis Dezember gelten, von 17 Uhr abends bis 9 Uhr morgens. Eine Tageszeit, in der „ein Erholungssuchender ohnehin nicht unterwegs ist“, glaubt Abbas. Dies ist mit den Landesforsten abgestimmt.

Von Rouven Groß

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