Mehr Pasta als Kartoffeln

Anfangs trauten sich einige Gäste nicht, das günstige Essen-Angebot für einen Euro anzunehmen. „Jetzt hat es sich herumgesprochen und sie freuen sich schon die ganze Woche darauf“, berichtet die ehrenamtliche Helferin Cornelia Becker (links). Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Die Essensgäste haben Glück: Wenn die Schüler der Berufsfachschule Sozial- und Familienpflege der Georgsanstalt so wie am vergangenen Donnerstag lernen, Biskuitböden zu backen, kommen die Gäste des Mittagstisches am Königsberg in den Genuss.

Salzkartoffeln, Spinat und Rührei gibt es als Hauptspeise und ein Tortenstück als Dessert. „Das ist wohl das erste Mal, dass es hier Kartoffeln gibt“, sagt Ellen Henke und schmunzelt. Oft bereiten die Schüler donnerstags Nudel- oder Reisgerichte zu.

„Sie kochen ganz anders als ich zu Hause, sie probieren immer mal was Neues aus und es ist sehr abwechslungsreich“, weiß auch Ilse Nüchter. Sie ist seit Einrichtung des Mittagstisches vor rund zehn Jahren dabei. Dass sie bei dem wöchentlichen Essen mit ihren Bekannten ein Pläuschchen halten kann, ist allerdings neu. In erster Linie war der Mittagstisch für die Kinder am Königsberg eingerichtet worden, die zu Hause kein Mittagessen bekommen. Doch die Struktur der Bewohner in dem Stadtviertel hat sich gewandelt, nur noch wenige Familien leben dort.

Seit etwa sechs Monaten wird der Mittagstisch verstärkt von Senioren besucht, die am Königsberg leben. Montagnachmittags treffen sie sich bereits zum Kartenspielen im Katharina-von-Bora-Haus. Ein Großteil der Runde kommt nun auch donnerstags zwischen 12 und 14 Uhr zum Mittagessen zusammen. Dass es eine eingeschworene Gemeinschaft geworden ist, ist am Tisch von Annemarie Schulze, Ingrid Rinke, Anneliese Lehmann, Ilsedore Timm und Terese Kaczmarek zu erkennen, die gegenseitig Neuigkeiten austauschen.

Annemarie Schulze genießt die Mahlzeit am Königsberg. Zu Hause koche sie nicht. „Da gibt es stattdessen einen Joghurt“, sagt sie. Und wenn sie zum Beispiel Lust auf Spargel hat, bringt sie nach dem Kauf nicht die Motivation auf, ihn für sich zu kochen. Deshalb geht sie zusätzlich dienstags zum Mittagessen ins Martin-Luther-Haus in der Innenstadt. Auch dort sind wieder Bekannte vom Königsberg anzutreffen, freut sie sich.

Das Mittagstisch-Angebot ist in Uelzen angewachsen. Neben den beiden Standorten bieten auch der Jugendmigrationsdienst und Kirchengemeinden eine warme Mahlzeit an. Am Königsberg sind neben den Berufsbildenden Schulen (BBS) II und den ehrenamtlichen Helferinnen Cornelia Becker und Dietlind Senkbeil noch der Kindertreff, die St.-Marien-Gemeinde und die Uelzer Tafel beteiligt, die die Lebensmittel zur Verfügung stellt. Die Gesellschaft für Wohnungsbau des Kreises Uelzen (gwk) fördert den Treffpunkt für die Bewohner am Königsberg ebenfalls. Ein gwk-Mitarbeiter fährt das Essen von der Großküche der BBS II, die sich bis zum Sommer 2012 noch an der Veerßer Straße befindet, zum Katharina-von-Bora-Haus. „Ziel ist, dass die Menschen sich besser kennenlernen“, erläutert auch Lehrerin Ingelore Bokelmann. Sie und ihre Kollegin Helga Lindloff koordinieren das Projekt an den BBS II.

Von Diane Baatani

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