Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer will Nitratbelastung im Westen senken

Mehr Gülle für den Kreis Uelzen?

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Modernste Technik bei Ebstorf: Ein Tanklastzug liefert Gülle an. Mit der sogenannten Schlitztechnik wird sie direkt in den Boden eingebracht.

Uelzen/Landkreis. Der Westen Niedersachsens erstickt in der Gülle.

Und der Output in den Schweinehochburgen in der Weser-Ems-Region steigt: Insgesamt wuchs der Nährstoffanfall aus Gülle, Mist und Gärsubstrat aus Biogasanlagen im Wirtschaftsjahr 2013/14 niedersachsenweit auf 59 Millionen Tonnen an, 2,6 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Diese Zahlen stehen im zweiten Nährstoffbericht des Landes Niedersachsen. Wegen der Nitratgefahr für das Grundwasser schlägt Landwirtschaftsminister Christian Meyer vor, die stinkende Brühe in die Ackerbauregionen zu exportieren. In Frage kommt auch der Landkreis Uelzen, laut Statistik zweitviehärmster Landkreis in Niedersachsen.

Bislang nehmen nur wenige Bauern der Region die Fracht ab, die in großen Tanklastzügen durchs Land rollt. Sie zahlen sogar dafür – und das zu Recht, wie Kreis-Bauernverbands-Vorsitzender Thorsten Riggert betont: „Das ist Naturdünger. Der braucht nicht aus der Erde geholt zu werden. Das ist gut für das Bodenleben“, erklärt der Klein Süstedter Landwirt, der selbst Ferkel produziert. Ein Kubikmeter Gülle enthält nach seinen Angaben vier bis fünf Kilo Stickstoff, drei Kilo Kalium und zwei Kilo Phosphor, daneben Spurenelemente wie Mangan, Magnesium und Schwefel.

Die Bauern täten alles, um strenge Gerüche zu vermeiden: Lohnunternehmer bringen die Brühe heute mittels Schlitztechnik über Schläuche direkt in den Boden ein.

Trotzdem glaubt Riggert, dass nur wenige Uelzener Landwirte der Aufforderung des grünen Landwirtschaftsministers folgen werden. „Die ganzen Restriktionen, die Gutmenschen sich ausdenken, führen dazu, dass es risikoärmer ist, Kunstdünger auszubringen“, klagt der Bauernfunktionär. So berücksichtige die Düngeverordnung, nach der die Landwirte verpflichtet sind, ihre Nährstoffgaben zu melden, nicht, dass die ausgebrachten Dünger nicht immer gleich schnell wirken. So könne es in einem trockenen Mai notwendig sein, noch einmal zusätzlich zu düngen. Riggert spricht von deutscher Bürostatistik: „Gülle kann man nicht so genau ausrechnen. Das ist Leben.“

Hinzu kommt, dass die Bauern, die Gülle aus dem Emsland einsetzen wollen, diese lagern müssen. Der Minister kündigte Erleichterungen im Baurecht für den Bau von Güllebehältern in Ackerbauregionen an. Viele Landwirte scheuen zudem Konflikte, berichtet Riggert: „Wenn es anfängt, nach Gülle zu riechen, steht die Polizei am Acker, weil es Anzeigen wegen Geruchsbelästigung gibt.“

Von Gerhard Sternitzke

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