Höhere Förderung für Öko-Bauern: Kreislandwirt rechnet nicht mit Antragsflut

„Mehr eine Symbolpolitik“

Ein Mann der klaren Worte: Carsten Bauck führt immer wieder Interessierte durch seinen Betrieb in Klein Süstedt.

Uelzen-Klein Süstedt. Ein Satz, eine Botschaft: „Zum Essen gehört das Töten. “ Carsten Bauck verzichtet auf ausschweifende Erläuterungen. Seine Formulierungen sind schnörkellos, dafür von einer für den Zuhörer kaum zu ertragenden Offenheit.

Schnell wird deutlich, hier spricht ein Überzeugungstäter. Die kleine Gruppe von Interessierten, die in der Schlachthalle des Bauck-Hofs in Klein Süstedt im Halbkreis um den Redner steht, klebt ihm schon seit gut anderthalb Stunden an den Lippen. Die Betriebsbesichtigung ist fast zu Ende. Carsten Bauck hat die Besucher durch Stallungen mit Legehennen, den Hühnern zur Masthaltung und den Rindern geführt, um dann zum Abschluss noch die Schlachtanlage für das Geflügel zu zeigen. Kein Rundgang über das Gelände ohne einen ,Abstecher’ an jenen Ort, an dem „die Tiere für den Menschen ihr Leben lassen“. Um dem Geflügel lange Transportwege zu ersparen, sei eine kleine Schlachterei direkt vor Ort eingerichtet worden. Er wisse jedoch, sagt der Landwirt, dass es bessere Anlagen gebe, mit denen Tiere noch humaner getötet werden könnten. „Alles eine Frage der Größe eines zu bewirtschaftenden Hofes, alles auch eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. “ Wieder ein entwaffnender Satz, betreten schauen die Besucher zu Boden. Auf Produktionskosten kam Bauck während der Führung immer wieder zu sprechen, immer auch im Zusammenhang mit seinem Anspruch und dem seines Teams, möglichst ökologisch den Hof zu bewirtschaften und eine wesensgerechte Tierhaltung zu gewährleisten. Dabei setzt Bauck auf das Konzept „alles aus einer Hand“ – vom Bereitstellen des Futters mit dem Bewirtschaften von Flächen über die Haltung der Tiere, die Schlachtung und die Fleischverarbeitung. „All das kostet. Wir haben für uns entschieden, dass wir dies wollen“, sagt Bauck.

Mit dieser Auffassung gehört er zu einer verschwindend geringen Minderheit in Niedersachsen. 2,8 Prozent aller Landwirte setzen auf einen ökologischen Anbau. Damit ist das Bundesland Schlusslicht in Deutschland. Nun will die rot-grüne Regierung in Hannover Anreize schaffen, damit mehr Bauern ihre Betriebe umstellen. Der Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) stellte das Programm zur „Förderung ökologischer Anbauverfahren“ vor. So sollen Öko-Landwirte 320 statt bislang 262 Euro je Hektar für ökologisch bewirtschaftetes Acker- und Grünland als Zuschuss erhalten. Zwischen dem dritten und fünften Jahr sind 200 statt 137 Euro vorgesehen. Noch bis zum 15. Mai können Bauern Anträge für die Förderung beim Ministerium stellen, wenn sie künftig auf ökologischen Anbau setzen oder ihren Betrieb weiter nach ökologischen Gesichtspunkten führen wollen.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Heiner Scholing aus Hohnstorf spricht von einem „guten Signal zur richtigen Zeit“. Arge Zweifel jedoch, dass viele Anträge das Landwirtschaftsministerium erreichen werden, hat Kreislandwirt Thorsten Riggert. Für ihn ist der Vorstoß der Regierung mehr Symbolpolitik als der Wille, die Ökolandwirtschaft voranzutreiben. Deshalb setzt Riggert beim Thema auf Ironie. „Das ist ja ein ganz großer Wurf“, meint er spöttisch im AZ-Gespräch. Die Landwirte würden angesichts der zu erwartenden Mehreinnahmen sofort ihre Betriebe umstellen. Dann wird der Kreislandwirt doch noch einmal ernst, erklärt, dass nicht über die Förderung der Landwirte Anreize für eine Bioproduktion geschaffen werden, sondern nur über eine entsprechende Vermarktung. Heißt: Die Landwirte müssen durch eine Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft einen Vorteil für sich sehen. „Aber was nutzt es, wenn wir nun ganz viele Ökolandwirte haben, aber die Anzahl jener nicht steigt, die ökologische Produkte auch haben wollen“, so Riggert. Unterm Strich habe der Landwirt einen geringen Absatz. So müssen nach Auffassung des Kreislandwirtes die Grundzüge des Bio-Marktes angefasst werden: Preise senken und beim Käufer Bewusstsein für ökologische Produkte schaffen, damit mehr Menschen „sich umstellen“.

Carsten Bauck kann mit seinen Führungen durch den Betrieb in Klein Süstedt und den klaren Ansagen einen Beitrag zu diesem Bewusstsein leisten. An einer Tatsache kämen aber weder er noch seine Kollegen vorbei: Je mehr ein Betrieb auf einen ökologischen Anbau und eine wesensgerechte Haltung von Tieren setze, desto höher seien die Kosten, die aufgefangen werden müssten.

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