Mehr als...

. . . ein halbes Jahrhundert hat sie Menschen ein- und ausgelassen, war Schlupfloch aus einer kalten Welt hinein in ein warmes Nest, trotzte sie Wind und Wetter – seit gestern nun ist sie weg: Uhlenköpers alte Haustür musste einer neuen weichen.

Und im Leben nicht hätte er gedacht, dass der Einbau einer Haustür bei ihm eine so emotionale Sache werden könnte! Keine Frage: Die Neue ist schick, anthrazitfarben, mit klarem Glas, ein bisschen Edelstahl, vor allem sicherheitstechnisch auf neuestem Stand und wärmeisolierend. Ganz im Gegensatz zur Alten: dünnes Holz, Einfachverglasung und bei diesen Temperaturen bog sie sich so vom Türrahmen ab, dass man den kleinen Finger durch den entstandenen Spalt stecken konnte. Und trotzdem: Als sie da so angebunden auf dem Lkw stand, ausgedient, verblasst und verwittert, abgeblättert und plötzlich durch etwas Modernes ersetzt, da tat sie ihm leid, die alte Haustür. Schon den Vorbesitzern des Hauses bot sie Schutz, auch sie schlossen sie tausende Male hinter sich zu und atmeten dann durch. Sie hatten sie einst für ihr Haus ausgesucht. Und so ist er einerseits voller Freude über das neue Stück, anderseits aber auch ein bisschen traurig und voll des schlechten Gewissens, weil er die alte Tür wie ein altes Pferd dem Schlachter überlässt. . . Aber alles hat mal ein Ende, sagt seiner alten Haustür ein dankbares Lebewohl, der.

Kommentare