Mangelware Öko-Metzgerei

Der Bauckhof kann jetzt sein Biogeflügel selbst schlachten. Bei der Einweihungsfeier konnten die Besucher sich die Bio-Schlachterei selbst anschauen. Fotos: Köhler-Götze

Uelzen-Klein Süstedt. Bislang mussten die Hühner und Puten, die auf dem Bauckhof in Klein Süstedt groß wurden, immer zur Schlachtung in die Nähe von Nienburg gefahren werden. Biogeflügel darf nämlich nach den Richtlinien von Bioland und Demeter ausschließlich in Bio-Schlachthöfen geschlachtet und verarbeitet werden. Die aber sind in Deutschland Mangelware.

Ganz in der Nähe des Bauckhofes stand seit Jahren eine ehemalige Möbelfabrik leer, die seit dem vergangenen Freitag die Fleischmanufaktur des Hofes beherbergt. Vor acht Jahren habe man mit der Planung begonnen, erinnert sich Carsten Bauck, denn man wollte endlich einen geschlossenen Betriebskreislauf in der Geflügelwirtschaft auf dem eigenen Hof etablieren. Und dazu gehört neben der eigenen Futtermühle, der eigenen Aufzucht der Hühner und Puten und der eigenen Vermarktung als letztes Glied in der Kette auch die eigene Schlachtung und Verarbeitung des Federviehs. Und nicht zuletzt erspart man damit dem Geflügel die lange letzte Reise, die, wie schonend man dabei auch vorgehen mag, ein Stressfaktor für die Tiere ist.

Es ist eine vergleichsweise kleine Fleischmanufaktur, die da entstanden ist, meilenweit entfernt von den Mega-Schlachthöfen, in denen konventionell erzeugtes Geflügel normalerweise geschlachtet wird. Und sie ist transparent: „Wer denn Fleisch essen möchte“, sagt Carsten Bauck, „der muss auch akzeptieren, dass dafür Tiere getötet werden.“ Aber dabei gebe es eben durchaus Unterschiede. Sämtliche Mitarbeiter der Fleischmanufaktur kommen vom eigenen Hof „und es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter dabei nicht komplett verrohen“.

Bislang schon konnte man auf dem Bauckhof sich anschauen, wie die Tiere in Mobilställen und mit großem Auslauf gehalten werden. Besucher, die sich über die Schlachterei informieren wollen, sind ebenfalls willkommen. In die Räume der Manufaktur wurden eigens Fenster eingebaut, durch die die Besucher jeden einzelnen Schritt beobachten können – wenn sie sich denn trauen. Zwischen 300 und 500 Hühner können pro Stunde geschlachtet werden. Zu 90 Prozent werden die Tiere dann zerteilt, lediglich Suppenhühner kommen als ganze Tiere in den Verkauf. Mit der Verarbeitung direkt vor Ort rechnet man sich aus, das Mindest-Haltbarkeitsdatum um drei bis vier Tage verlängern zu können.

Auch wenn die Schlachterei wesentlich mehr Tiere verarbeiten könnte, wird man eher nicht Tiere zukaufen. „Das müsste schon zu unserem Standard passen. Sonst verkaufen wir lieber weniger“, erklärt der Leiter der Schlachterei. Auch Lohnschlachtung komme nur für Bio-Betriebe in Frage.

Landwirtschaftminister Gert Lindemann, der sich auch durch die Ställe und die Manufaktur des Hofes führen ließ, nutzte seine Gastrede, um ein paar Pflöcke einzuschlagen: „Ich möchte mich gerne ein wenig von meinen Vorgängern abheben“, erklärte er und lobte ausdrücklich die vorbildliche Geflügelhaltung auf dem Hof. Der konventionellen Tierhaltung kündigte er einen Tierschutzplan für zwölf Tierarten an, der auf sieben Jahre angelegt ist, „aber das bedeutet nicht, dass sich jeder Tierhalter mit der Umsetzung sieben Jahre Zeit lassen kann“. Eine Voraussetzung für die EU-Direktzahlungen an Landwirte sei die „gute fachliche Praxis“, die durch die neuen Leitlinien neu definiert wird.

Wer sich jetzt dem Konsens verweigere, drohte Lindemann, „sollte sich darauf einstellen, dass es notfalls auch ohne ihn geht, wenn dann auch vielleicht nicht so, wie er will“ – ein Seitenhieb auf tierquälerische Schnabelkürzer.

Von Jürgen Köhler-Götze

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