Kritik an Hygiene-Standards und Personalausstattung im Uelzener Helios-Klinikum

„Sie sind am Rande ihrer Kräfte“

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Das „Super-Bakterium“ Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kurz als MRSA bezeichnet, ist eine der häufigsten Ursachen für im Krankenhaus erworbene Infektionen. Jährlich sind davon rund 50 000 Menschen betroffen, etwa 1500 sterben an den Folgen.

Uelzen. Das Helios-Klinikum Uelzen wehrt sich gegen den Vorwurf, beim Kampf gegen den gefährlichen Krankenhauskeim MRSA Hygienerichtlinien nicht einzuhalten. Entsprechende Vorwürfe erhebt der NDR in seiner Sendung „Hallo Niedersachsen“.

Demnach würden in niedersächsischen Helios-Einrichtungen Patienten, die den multiresistenten Keim in sich tragen, nicht grundsätzlich von anderen Patienten isoliert. Dies widerspreche Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert-Koch-Institut (RKI).

Helios weist die Vorwürfe zurück. Die Isolation sei nur ein Teil eines Maßnahmenbündels. „Ebenso ist es expliziter Bestandteil der RKI-Empfehlung, dass MRSA-Patienten ihr Zimmer verlassen dürfen, nämlich wenn sie aufgeklärt und in der Lage sind die Hygienemaßnahmen selbst zu befolgen, sie lediglich eine nasale Besiedlung vorweisen oder ihre Wunde gut bedeckt werden kann“, erklärt Helios-Sprecherin Ulrike Grönefeld.

Ein weiterer Vorwurf: Die hygienischen Maßnahmen könnten nicht voll durchgeführt werden, weil die Zeit fehle. Das bestätigt der Betriebsratsvorsitzende des Helios-Klinikums Hildesheim dem NDR. Demnach gebe es eine Vielzahl von Überlastungs- und Gefährdungsanzeigen von ärztlichem und Pflege-Personal.

Im Klinikum Uelzen seien seit Jahresanfang bereits zwischen 15 und 20 solcher Anzeigen erstattet worden, sagt Lars Stubbe, Gewerkschaftssekretär für den Sachbereich Gesundheit bei der Gewerkschaft verdi: „Das sind hoch qualifizierte Arbeitnehmer, die genau wissen, wie sie ihre Tätigkeit auszuüben haben. Und wenn das nicht mehr klappt, müssen sie auf diese Weise Alarm schlagen.“

Stubbe kritisiert die Auslagerung verschiedener Bereiche aus dem Klinikum. So werden die Instrumente für den OP nicht mehr in Uelzen, sondern in Gifhorn sterilisiert. „Letztlich fährt man alles auf Kante, im Uelzener Klinikum sind viele Beschäftigten am Rande ihrer Kräfte“, kritisiert Stubbe.

Das Uelzener Klinikum war erst im Februar ins Visier eines NDR-Berichtes geraten, weil es in einem Ranking der Niedersächsischen Krankenhäuser nach einer Patientenbefragung lediglich Platz 27 von 31 Rängen belegte (AZ berichtete).

Von Thomas Mitzlaff

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