Bis Montag gastiert der Zirkus Charles Knie auf dem Albrecht-Thaer-Gelände / Erste Vorstellung heute Nachmittag

Die Manege kennt kein Nachwuchsproblem

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Laura Pedersen mit einem ihrer beiden patagonischen Seelöwen. Über 300 Kilo bringt der Koloss auf die Waage. Gut 20 Kilogramm Fisch verdrückt die Ohrenrobbe täglich.

Uelzen. Die Aufbauten sind gestern Mittag noch im vollen Gange, da steht bereits ein erster potenzieller Besucher auf dem Albrecht-Thaer-Gelände und erkundigt sich nach dem Start des Ticket-Verkaufs. „Der geht um 15 Uhr los.

Freitag um 16 Uhr beginnt die Familienvorstellung“, gibt Patrick Adolph dem Mann mit auf den Weg. Adolph ist Sprecher des Zirkus’ Charles Knie.

Einer alten italienischen Artistendynastie entstammen die Geschwister Vanessa und Emanuel Medini. Bis einschließlich Montag zeigen sie in der Manege des Zirkus’ Charles Knie auf dem Albrecht-Thaer-Gelände ihrer rasante Rollschuh-Show.

Ein Sommerloch scheint der jedenfalls in Uelzen nicht zu kennen, obwohl das Schausteller-Unternehmen etliche Freikarten in der Stadt in Umlauf gebracht hat. Das halte man vor Premierenvorstellungen immer so. Das Zelt müsse voll sein, damit man Stadtgespräch werde und die weiteren Vorstellungen im Idealfall zu Selbstläufern würden, erklärt Zirkussprecher Adolph. „Es ist bei einem Gastspiel auch immer viel Glück dabei, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.“ Lägen die Temperaturen aktuell jenseits der 30 Grad, wäre es natürlich ungemein schwieriger, dass mehr als 1400 Sitzplätze fassende Zelt vollzubekommen.

Damit scheint das Unternehmen Charles Knie nach eigenen Angaben wenig Probleme zu haben. Zwischen 500 und 600 Vorstellungen gebe man pro Jahr. Über eine halbe Millionen Besucher ließen sich von der Zirkusluft locken, schreibt Knie in seinem Hochglanz-Programm-Magazin. „Das Unternehmen steht auf gesunden Füßen“, sagt Adolph. Sonst sei ein so großer Betrieb mit 92 Angestellten und einem Fuhrpark von über 200 Fahrzeugen, Aufliegern und Anhängern nicht zu bezahlen und am Laufen zu halten.

Die Margen schrumpfen.

Der Aufbau des großen Zirkuszeltes war gestern Mittag noch in vollem Gange. Die erste Vorstellung steigt heute um 16 Uhr.

Gleichwohl habe auch ein großer Zirkus mit Fährnissen zu kämpfen. Das Renommee der Branche habe in den vergangenen Jahre gelitten, sagt Adolph. Nicht erst seit zum Teil militante Tierschützer gegen Haltung und Auftritten von Wildtieren in Manegen zu Felde zögen. „Wie bei jedem mittelständischen Betrieb schrumpfen auch bei uns die Gewinnmargen.“ Der Zirkus sei zwar eine eigene Welt, aber nicht außerhalb der Welt. Will sagen: „Auch für uns gilt die Untergrenze des Mindestlohns“, sagt Patrick Adolph. Pro Spieltag müsse das Unternehmen zwischen 10 000 und 13 000 Euro erwirtschaften, um mindestens eine schwarze Null schreiben zu können.

Die Artisten zeigten schon mal, was sie drauf haben.

Hingegen habe laut Adolph ein Problem die Zirkuswelt noch nicht erfasst: Nachwuchssorgen seien unbekannt. Weder bei den Mitarbeitern, die für die Knochenjobs wie das Aufbauen des Zeltes zuständig sind, erst recht nicht unter den Artisten. Die würden in ihren Beruf hineingeboren. Wie die italienischen Geschwister Vanessa (29) und Emanuel (26) Medini. Die Rollschuh-Artisten entstammen nach eigener Aussage einer uralten, vielköpfigen und weit verzweigten Turiner Artisten- und Schaustellerdynastie. Seit drei Jahren sei man nun bei Charles Knie unter Vertrag, erzählt Vanessa. Zuvor habe man Engagements in den USA, Mexiko sowie in Zirkussen und Shows in ganz Europa gehabt, berichtet Emanuel. Ständig auf Achse und woanders zu sein, die beiden kennen es nicht anders. „Wir lieben es, wenn die Menschen sich an unserer Vorführung erfreuen und sie anschließend glücklich sind“, sagt Emanuel. Was die beiden Geschwister wirklich vermissen: „Unsere original heimische italienische Küche“, sagt Vanessa nicht ohne Wehmut.

Von Jens Schopp

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