Wandel im Kfz-Handwerk: Computer statt Blaumann

Manager für Motoren

Berufschullehrer Thomas Cohrs vor einer Experimentierfläche in der BBS.

Uelzen. Vor fast 100 Jahren begann der Arbeitsalltag des „Autoschlossers“,– ein Beruf, der sich aus dem Schmied, Drechsler und Schlosser entwickelt hatte und sich später Kfz-Mechaniker nannte –

im ölverschmierten Blaumann in einer von Benzin- und Dieseldämpfen sowie Abgasluft durchzogenen Werkstatt. „Lass mal laufen“, rief er dem Kunden zu, wenn der mit seinem Fahrzeug in die Werkstatt kam. Wenn der das Fahrzeug überhaupt noch zum Laufen brachte, erfolgte die Diagnose nach dem Klang des Motors, der Farbe der dem Auspuff entweichenden Abgase oder dem kläglichen Jammern des Anlassers. Bis das Auto wieder lief, verteilte sich das Öl bis zum Ellbogen oder sogar dem Gesicht des Mechanikers. Denn in der Zwischenzeit hatte er den Motor fein säuberlich in seine Einzelteile zerlegt und jedes einzelne Teil auf Vollständigkeit und Funktion überprüft und – hoffentlich an der richtigen Stelle – wieder eingebaut. Damals bestand das Geheimnis der Fahrzeugelektronik in einem kunterbunten Kabelbaum, der das Fahrzeug von den vorderen Scheinwerfern bis zu den Bremsleuchten am Heck des Fahrzeugs durchzog. „Mit der Elektrik kenne ich mich nicht aus“, durfte er damals noch unbeschadet des Ansehens seines Berufsstandes eingestehen, indem er das einfache Kabel verfolgte, um die Unterbrechung zu finden und zu beseitigen oder kurzerhand einen neuen Kabelbaum an die entsprechend farblich gekennzeichneten Stecker steckte.

Der technologische Wandel im Kfz-Handwerk wurde in den 80ern durch die Zusammenlegung der Berufe Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker zum Kfz-Mechatroniker endgültig vollzogen. Nachdem die Autoindustrie ihre Fahrzeugentwicklungen für mehr Sicherheit und Komfort aber auch Umweltfreundlichkeit vorantrieb, veränderte sich durch den massiven Einsatz von Elektronik die Fahrzeugtechnik und damit die Anforderungen an die Werkstatt. Heute trifft der Kunde den Kfz-Mechatroniker in einem Kittel an, wenn er ihn mit Handschlag begrüßt ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Sein Blick fällt auf die hochtechnisierten Diagnosestationen, die das Treiben in der Werkstatt beherrschen. Mit ihrer Hilfe können die Funktionen jedes einzelnen Bauteils in seinem Fahrzeug überprüft werden. Signalisiert der Fehlerauslesecomputer ein schadhaftes Teil, tauscht der Geselle das ganze Bauteil aus oder setzt die entsprechende Steuerleitung oder Verbindung instand.

„Der Autoschlosser von gestern geht deshalb heute vorrangig mit dem elektronischen Schraubenschlüssel auf Fehlersuche“, grinst Dirk-Walter Amtsfeld, Obermeister der Kfz-Innung Uelzen-Lüchow-Dannenberg und zeigt auf die zahlreichen Diagnosestationen mit Fehlerauslesecomputern sowie Motortester mit Oszilloskopen verschiedener Herstellern, die in der Ausbildungswerkstatt der Berufsbildenden Schule an der Scharnhorststraße in Uelzen Einzug hielten. Um den heutigen Anforderungen einer modernen Fahrzeugtechnik gerecht werden zu können, brauchen die künftigen Fachkräfte eine umfassende Ausbildung, betont Amtsfeld, der stolz darauf ist, dass die Betriebe der Innung die Schule bei der Ausstattung unterstützen. Zusätzliche Lerneinheiten zu den Grundlagen der Metallverarbeitung, Kfz-Instandhaltung und Wartung sowie Themenbereiche wie „Motormanagement für Benzin- und Dieselmotoren“, „Bremstechnik“, „Steuer- und Diagnosegeräte“ oder „BUS-Systeme“ vervollkommnen die Ausbildung. Die Entwicklung auf dem Sektor der Fahrzeugtechnik erfolgt heute wesentlich schneller als noch vor 20 Jahren, betont Fachlehrer Uwe Moldenhauer, „besonders die Elektronik verlangt einen kontinuierlichen Fortbildungsprozess bei den ausgelernten Fachkräften in den Werkstätten.“ Regelmäßig frischen sie ihre Grundkenntnisse auf, besuchen Weiterqualifikationen, erbringen Sachkundenachweise und erlernen neue Techniken.

Von Angelika Jansen

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