Mikrobiologe Dr. Sebastian Graefe: Schon geringe Zahl an Bakterien reicht für eine EHEC-Infektion aus

„Man sollte penibel sein“

+
Mikrobiologe Dr. Sebastian Graefe.

Uelzen. „Die Situation ist nach wie vor schwierig, aber es passt schon ins Gesamtbild, dass Sprossenmischungen die Überträger der EHEC-Keime sein könnten“, sagt Privat-Dozent Dr. Sebastian Graefe, Mikrobiologe mit eigenen Praxen in Lüneburg und Hamburg.

Denn epidemiologische Studien des Robert-Koch-Instituts hätten Verbindungen zwischen der Erkrankung und Salatkonsum gezeigt, „und in diese Theorie passen die Sprossen gut rein“.

Sprossen können relativ hoch mit Bakterien belastet sein, so der Experte, das könne man nicht verhindern: „Wegen des feucht-warmen Klimas, in dem sie gezüchtet werden, wachsen auch Bakterien dort sehr gut“. Und bei EHEC komme erschwerend dazu, dass schon eine geringe Infektionsdosis von 10 bis 100 Bakterien für eine Infektion reichten. „Wenn man die Sprossen aber nur eine Woche wachsen lässt, können sich die Bakterien schon sehr stark vermehrt haben.“ Daher davon sollten besonders gefährdete Personen wie Schwangere, Ältere und Leute mit einem Immundefekt mit Sprossenkonsum sehr vorsichtig sein.

Das A und O im Umgang sei bei der Essenszubereitung in diesen Wochen die Hygiene: „Man sollte penibel sein, viel Händewaschen und auch die Küchenutensilien nach jedem Arbeitsgang reinigen.“ Wenn man beispielsweise dasselbe Schneidebrett benutze, könnten die Bakterien auf andere Gemüse überspringen. Ganz auf Nummer sicher geht, wer das Gemüse auf über 70 Grad erhitzt oder brät: „Dann hat EHEC keine Chance“, so der Mikrobiologe.

Neu sei die hohe Zahl von über 600 schweren Komplikationen bei 2000 Erkrankten, „das ist bis zu zehn Mal mehr als sonst bei EHEC-Infektionen üblich“. Bei aller Aufregung dürfe man aber auch nicht vergessen, dass bis zu 200 000 Menschen jährlich Noro-Virus erkranken würden, „auch andere Durchfallerreger wie Salmonellen liegen mit bis zu 50 000 Erkrankten höher“, so Graefe.

Von Thomas Mitzlaff 

Kommentare