De Maitour

Michael und Hans sind twee Rentner, de fröher mal bi’n Buurn arbeitet hebt. Veel Rente krägen se nich. Se vertellt von ole Tieden: „Minsch weest du noch, as wie an Vadertag ümmer mit blankgeputzten Rad dörch de Gegend föhrt sind? Strohhoot up’n Kopp und witte Maiböx an.

Autos gäw dat kuum, all Lüüd de sik dräpen dän, grüßen sik noch. Schinken und Brot wör mitnommen und denn dorto noch een Buddel Schluck. „Rut mit jük in de Fröhjohrsluft“ heet dat denn. Am Rad köm Maibusch ran. Kutschwagens, ok mit Maibusch schmückt, kömen uns domals noch entgegen.

Föhrn wie mit’n Rad an Kroog vörbi, wör anholen, Beer drinken, klönen und denn wieder dörch de schöne Maienlandschaft. Wär dat nich schön? Oft wärn wie ok bet’n duun und uns gehör de ganze Straat. Polizei und Blootprobe kenn man nich. Alle Lüüd grienen blot, wenn man mal henfall’n wär.

Hüt süht dat je anners ut. Fohrräder sind zwor wedder mehr worn, giwt je sogoor elektrische Fohrräder. Nur noch mit’n Auto is man Maidag meistens ünnerwegens. Cabrio alles apen dicke Schaals üm, weil dat oft to kolt is, Angeber sind dat.

„Wie könnt je Dütjohr ok mal up uns olen Daag eene Maitour wie domals maken,“ meen Hans. An de Ilmenau entlang, oder noch beeder an Kanal, dor möt wie keen Barg hoch föhrn.“

So föhrt se los, helle Maiböx an, Strohhoot up’n Kopp, keen Larm, genau wie fröher, mit Schinken, Brot und een Buddel Schluck as Proviant. An een Platz an de Ilmenau makt se an een Bank Pause, üm ehr Brood to äten und üm eenen ut’n Buddel to nehmen.

Dor liggt dor een Portmonee. Michael bückt sik, kiekt na und schmitt dat Portmonee in de Ilmenau.

„Worüm schmitts du dat in de Ilmenau, dor wärn, wie ik sehn heff, doch 3 Schiene in,“ frög Hans?

„Dat wär Falschgeld oder hesst du all mal 50 Euro Schiene mit 2 Nullen sehn?“

Kuum har he dat rinschmetten, do kööm 2 feine Herrn mit een Elektrorad an und frögen jüm: „Haben sie vielleicht hier en Portmonee gesehen, ich hab es verloren. Da waren drei 500- Euroscheine drin?“

„Nö,“ seggt Michael, „hier leeg keen.“

„Wenn sie es beim Weiterfahren finden, zahle ich 10 Prozent Finderlohn.“

He hett jüm noch eene Visitenkort mit sien Adress gäben. As he wech wär, hett Michael sien witte Böx uttrocken und is, weil dat dor flach wär, in de Ilmenau gahn. Hett dat Portmonee wedderfunden. To Huus drögt he de Schiene ordentlich glatt makt, üm sik dan Finderlohn, de 150 Euro to verdeenen.

Blot seit 20 Johr har he nich in de Ilmenau bad und meen: „So schlecht is sün Bad in de Ilmenau doch nich, dat makt sik richtig betaalt.“ Har je gornix trüchgäben brukt aber dat heet je, “Ehrlichkeit makt sik betalt“ und „ehrlich holt an Längsten“. Düsse 150 Euro har he je sik nu ehrlich verdeent mit de 50 Euroschiene mit 2 Nullen!

Carl-Friedrich Bautsch lebt in Groß Hesebeck, ist ein Kenner der hiesigen Geschichte und Plattsnacker aus Leidenschaft.

Von Carl Friedrich Bautsch

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