Neues Programm soll Anreize schaffen

Drei Erzieher in Kitas im Uelzener Stadtgebiet: Männer sind Exoten

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Wer betreut die Mädchen und Jungen in den Kitas? Vor allem Frauen, wie aktuelle Statistiken zeigen. Männer sind noch Exoten in den Einrichtungen.

nre/zds Uelzen/Landkreis. Männer ab in die Kindertagesstätten: Mit dem Programm „Männer in Kitas“ wollte die Bundesregierung im Zeitraum 2011 bis 2013 den Männern das Erzieherdasein schmackhaft machen.

Mit leidlichem Erfolg: Bundesweit sind heute knapp fünf Prozent des pädagogischen Kita-Personals Männer. Im Landkreis Uelzen liegt der Anteil bei 3,2 Prozent – bezogen auf alle Erzieher, die in Kindertagesstätten tätig sind. Damit sank er um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Was die Prozentzahlen in der Praxis bedeuten, zeigt ein Blick auf die Stadt Uelzen. Dort gab es im Spätherbst 194 Krippen- und 258 Kita-Ganztagsplätze für Kinder. Die Kindertagesstätten werden vom Deutschen Roten Kreuz getragen. Der zuständige Bereichsleiter Peter Vogt berichtet, dass derzeit lediglich drei Männer als Erzieher in den Kitas arbeiten, davon zwei Festangestellte und ein junger Mann als längerfristige Krankheitsvertretung.

Die Anzahl der männlichen Erzieher habe sich in den vergangenen Jahren „nicht nennenswert verändert“, sagt Vogt. Nach seinem Eindruck haben die männlichen Erzieher sich in der Regel schon vor dem Ende ihrer Ausbildung dafür entschieden, nicht in eine Kita zu gehen, sondern andere Arbeitsfelder zu wählen.

Wie wichtig sind eigentlich männliche Bezugspersonen in Kitas für die Entwicklung der Kinder? Männer verhalten sich anders als Frauen und können die Kinderbetreuung bereichern. Soweit der allgemeine Konsens. Tatsächlich ist wissenschaftlich nicht belegt, dass Männer in Kitas tatsächlich einen Unterschied machen. Aktuell ist Kindererziehung weiterhin hauptsächlich Frauensache, egal ob zuhause oder in der Kita. Die Frau ist lieb, nett und ausgleichend, der Mann aber kickt, tobt und führt die Gruppe mit bestimmendem Ton? Abseits des Klischees sind die Männer interessant als schlummerndes Arbeitskräftepotenzial. Denn mit dem seit August 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für die unter Dreijährigen und dem damit verbundenen Ausbau der Kindertagesstätten suchen die Kommunen landauf, landab nach pädagogisch-geschultem Fachpersonal.

Das Interesse am Erzieherberuf scheint zu steigen, wie aus Zahlen der Ausbildungsstatistik hervorgeht. Demnach waren laut Statistischem Bundesamt im Ausbildungsjahr 2012/2013 bereits knapp 17 Prozent Männer. Zusätzliche Anreize soll das seit Juli 2015 laufende Programm „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ schaffen. Das Bundesfamilienministerium stellt bis Mitte 2020 fast 34 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung. Gefördert werden Modellprojekte, die speziell auf Berufswechsler zugeschnitten sind.

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