Urteil am Lüneburger Landgericht schon Mittwoch möglich

Attacke am Elbe-Seitenkanal: Mit Fahrrad Beil-Schlag abgewehrt

Lüneburg/Uelzen. Das Opfer leidet bis heute noch an den Folgen der Beil-Attacke: Der Mann war am frühen Abend des 26. Mai mit dem Rad am Elbe-Seitenkanal unterwegs, als er einen Mann vor einer Bank knien sah, der den Kopf auf der Sitzfläche abgelegt hatte.

Er habe nur wissen wollen, ob er helfen könne, erklärt das Opfer dem Lüneburger Landgericht Gericht gestern mit Hilfe einer russischsprechenden Dolmetscherin. Als er mit seinem Rad neben dem mutmaßlichen Täter angehalten habe, sei jedoch alles ganz schnell gegangen. Der Mann habe sich umgedreht, nach dem Beil gegriffen, das aus einer Tasche gerutscht war, sei aufgesprungen und habe nach ihm geschlagen. „Der hatte einen solch irren Blick“, beschreibt der Zeuge. „Ich merkte sofort, dass er gar nicht verstand, dass ich ihm helfen wollte. “.

Den ersten Schlag mit dem Beil konnte der große Mann abwehren, indem er sein Fahrrad auf Brusthöhe vor sich hielt. Doch den zweiten Hieb, der gegen seinen Kopf gerichtet war, musste er mit seinem bloßen Arm abwehren. „Ich konnte die Wunde an meinem Unterarm nicht sehen, doch es lief so viel Blut heraus, dass ich sofort wusste, ich würde es nicht mehr rechtzeitig nach Hause schaffen.“

Als er bemerkte, dass der Mann mit dem Beil ihm folgte, rief er ihm zu, dass die Polizei hinter ihm sei, und nutzte den Moment, in dem der Angreifer nach hinten blickte, um zur nächsten Ansiedlung zu flüchten.

Von all dem will der Angeklagte nichts bemerkt haben. „Ich war gerade aus der Psychiatrie entlassen worden, und mein Leben ging den Bach runter und ich hatte zu viel getrunken“, versucht er dem Richter zu erklären, warum er sich an nichts mehr erinnern kann. „Meine Freundin und die Kinder waren weg. Meine letzte Bleibe war aufgelöst worden, und ich hatte nur noch das Beil aus meinem Schrebergarten geholt, um mir Holz für ein Feuer zu schlagen.“ Er habe Panik gehabt und geglaubt, er werde angegriffen. „Weil ich mit der Uelzener Drogenszene Krach hatte und ich konnte doch nichts sehen ohne Brille.“

Der Kammervorsitzende Franz Kompisch runzelt die Stirn: „Wollen Sie so weitermachen oder kommt noch was Besseres?“ Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Wiebke Schröder, versucht zu erklären, in „welch erbärmlichem Zustand“ ihr Mandant kurz nach der Entlassung aus der Psychiatrie war. Doch für den Nebenkläger, das Opfer, spielt das keine Rolle. „Ich kenne den Mann nicht und will auch nichts von ihm wissen.“ Er weist den Versuch einer Entschuldigung von sich. „Die nehme ich nicht an.“

Die zehn Zentimeter lange und zwei Zentimeter breite Wunde an seinem Unterarm wurde im Klinikum behandelt. „Doch bis heute kann er mit der linken Hand keine Faust machen“, sagte der Nebenklagevertreter Volker König. Er fordert ein Schmerzensgeld, „weil er den kleinen Finger nicht krümmen kann.“ Seine Unbekümmertheit und Hilfsbereitschaft hat das immer noch schockierte Opfer ebenfalls eingebüßt. Am nächsten Mittwoch könnte nach dem Gutachten des Psychiaters schon das Urteil fallen. Dann wird geklärt sein, ob die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für den Angeklagten in Frage kommt.

Von Angelika Jansen

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