Noch bis 29. Juli kostenlos wechseln: AZ-Online-Redakteur macht den Praxistest

Lohnt sich Windows 10?

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Wir nehmen das Upgrade von Windows 10 unter die Lupe.

Uelzen. Stellen Sie sich vor, ein Hutmacher ersetzt Ihnen Ihren alten Hut kostenlos durch einen neuen. Der soll nicht nur schöner sein, sondern auch besser. Das Angebot gilt genau ein Jahr lang.

Michael Koch

Der Hutmacher wird in diesem Jahr nicht müde, Ihnen immer und immer wieder zu sagen, wie toll der Hut doch sei und dass Sie ihn doch bitte annehmen sollen. Das Angebot sei ja schließlich befristet und der Hut bald schon kostenpflichtig. Was hält man dann von so einem Hut? Und was vom Hutmacher?.

Microsoft verfährt genau auf diese Weise mit seinem neuen Betriebssystem Windows 10. Und verunsichert so viele seiner Nutzer.

Die müssen sich bis zum 29. Juli entscheiden, ob sie das neue Windows auf ihrem PC haben möchten. Danach kostet das Upgrade Geld. Soviel vorweg: Windows 10 ist kein schlechtes Betriebssystem, trotzdem gibt es einen Haken.

Wer aktuell Windows 7 oder Windows 8.1 benutzt, kann in der Regel kostenlos zu Windows 10 wechseln. Daran werden PC-Anwender der besagten Systeme auch regelmäßig erinnert: Durch das Fenster „Windows 10 herunterladen“, das sich ungefragt auf dem Bildschirm aufdrängt. Entscheidet man sich gegen ein Upgrade (durch Klicken auf „X“ oben rechts) verschwindet das Fenster wieder, ward aber bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen.

Im Netz erzürnen sich PC-Nutzer und Fachmedien bereits ausgiebig über die „agressive Drückermethode“ von Microsoft. Denn ein Klick aufs „X“, eine seit jeher gängige Art, Fenster wieder zu schließen, wird von Microsoft offenbar auch schon mal als Bestätigung des Upgrades verstanden und der Download startet.

Losgelöst von dieser fragwürdigen Methode, was spricht denn nun für das neue Betriebssystem? Nahezu einig ist sich die Fachwelt, dass Windows 10 das wohl bisher beste Betriebssystem von Microsoft sei: sicherer und moderner als die Vorgänger.

Dagegen spricht, dass Windows 10 eine regelrechte Datenkrake ist. Viele Anwender sorgen sich um die Sicherheit ihrer persönlichen Informationen und dass diese von Microsoft für dubiose Zwecke benutzt werden könnten. Man kann die Datensammelei von Microsoft jedoch im Zaun halten. Ein erster, wichtiger Schritt: Kein Microsoft-Konto in Windows 10 anlegen. Dazu bei der System-Einrichtung an der Stelle, an der die Frage nach E-Mail-Adresse und Passwort erscheint, den auffällig unauffälligen Link „Diesen Schritt überspringen“ anklicken. Zweiter Schritt: Bei den Einstellungen und Funktionen zum „Datenschutz“ Microsofts Sammelwut einen Riegel vorschieben.

Für diesen Artikel haben wir einen PC und einen Laptop von Windows 8.1 auf Windows 10 aktualisiert. Mit Hardware kaum älter als drei Jahre. Die Umstellung verlief ohne Probleme.

Auf Hürden stoßen womöglich Nutzer älterer Systeme, insbesondere Laptops: In einschlägigen Internetforen beklagen sich Anwender, dass nach dem Upgrade Treiber fehlten. Wichtig zu wissen ist deshalb, dass ein Windows-10-Upgrade grundsätzlich innerhalb von 30 Tagen ohne Datenverlust wieder rückgängig gemacht werden kann. Unser Rat: Vor einem Upgrade auf jeden Fall wichtige Daten vom Computer sichern. Dass ein Upgrade oder ein Zurücksetzen fehlschlägt, ist nicht auszuschließen.

Fazit: Besitzer von aktueller Hardware sollten wechseln. Ja, Windows 10 ist eine Datenkrake – aber sie lässt sich zähmen und bei Nichtgefallen auf das ursprüngliche System zurücksetzen. Noch bis 29. Juli ist der Wechsel kostenlos, danach geht’s ans Geld. Wir reden hier von voraussichtlich mehr als 100 Euro pro Lizenz.

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