Offener Brief an Bundespolitiker: Cornelia Utrata fordert eine Änderung der Heilmittel-Verordnung

Logopädin kritisiert Krankenkassen

Logopädin Cornelia Utrata fordert die Bundespolitik auf „die Bedrohung für unseren Berufsstand abzuwenden“. Foto: Archiv

Uelzen. Das neue Gesetz zur Heilmittel-Verordnung sorgt bundesweit für Kritik, auch im Landkreis Uelzen: Die Logopädin Cornelia Utrata sieht „den gesamten Berufsstand der Heilmittelerbringer durch das zunehmend aggressive und unfaire Vorgehen der gesetzlichen Krankenkassen in seiner Existenz gefährdet“.

Sie verschickt heute ebenso wie andere Mitglieder im Verbund der Freien Therapeuten einen offenen Brief an Bundespolitiker, in dem sie die Adressaten bittet, „ihren politischen Einfluss geltend zu machen und die Bedrohung für unseren Berufsstand abzuwenden“.

Wie der Uelzener Physiotherapeut Reinhard Schülke (AZ berichtete) kritisiert auch Utrata die bürokratischen Hürden, die das Urteil des Bundessozialgerichts in Kassel mit sich bringen. „Unsere Arbeit wird durch das antipartnerschaftliche Verhalten der gesetzlichen Krankenkassen massiv beeinträchtigt, was für viele unserer Patienten sogar gesundheitsgefährdend ist“, schreibt Utrata. Dabei geht es unter anderem um die Prüfpflicht von Heilmittelverordnungen.

In ihrer Praxis für die Therapie von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen erhalte sie etwa 40 Prozent fehlerhafte Verordnungen von Ärzten und müsse dann die Patienten wieder wegschicken, manchmal auch dreimal nacheinander. Denn die Kassen zahlen nicht, wenn die Verordnungen Fehler aufweisen. Das bedeutet für sie Verdienstausfall und Mehraufwand: Anstatt diese Patienten zu bitten, sich ein neues Rezept ausstellen zu lassen, bemüht sie selbst die zuständigen Ärzte um eine Korrektur. So habe sie wenigstens die Sicherheit, dass sie ihre Patienten beim nächsten Termin behandeln kann.

„Jede Abrechnung sehe ich mir mit Argus-Augen an.“ Aber wenn sie trotzdem erst nach der Behandlung einen Fehler auf dem Papier entdeckt, gibt es „für erbrachte Leistungen kein Geld“. Und Probleme bei den Abrechnungen sind vorprogrammiert: „Für jeden Heilmittel-Erbringer gibt es spezielle Formulare“, erläutert Utrata. Auf dem Papier können Ärzte nur Sprach-, Sprech- und Stimmtherapie ankreuzen. Wenn Utrata aber Schlucktherapie durchführen muss, wie zum Beispiel bei einigen Patienten in Pflegeheimen, dann gebe es keine passende Verordnung.

Fünf Mitarbeiter beschäftigt die selbstständige Logopädin. „Die Mitarbeiter bekommen trotzdem ihr Geld“, betont sie, aber sie selbst habe durch die bürokratischen Hürden keine Sicherheit.

Zudem kritisiert sie die Honorare. Von 33 Euro Durchschnittsentgelt für 45 Minuten Therapie plus etwa 15 Minuten Vor- und Nachbereitung bleiben etwa 11 Euro netto übrig, erklärt sie. „Also für 2010 sieht es erschreckend so aus; dass ganze 34 Prozent (nach Abzug aller Kosten) bleiben.“

Von Diane Baatani

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