Schandflecken Katasteramt und Café Harder: Die Verwaltung kann keinen Baubeginn erzwingen

Die Löcher im Stadtkern

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Ein Teil des Fotomotivs, das die Abbruch-Lücke an der Stelle des ehemaligen Café Harder an der Veerßer Straße verschönern sollte, ist abgerissen.

Uelzen. Schandflecken in der Uelzener Innenstadt – wenn die Bauherren ihre Bauvorhaben verzögern, kann auch die Stadt Uelzen nichts bewirken. „Unsere Möglichkeiten sind deutlich begrenzt“, betont Baudezernent Karsten Scheele-Krogull.

Beim früheren Café Harder an der Veerßer Straße und beim ehemaligen Katasteramt an der Gudesstraße geht es derzeit nicht voran. Das alte Katasteramt wurde abgerissen, doch da der Auftraggeber das Abbruchunternehmen nicht bezahlte, wurden die Arbeiten gestoppt. Die Stadt hat den Bauunternehmer mehrmals darauf hingewiesen, die Arbeiten voranzubringen, da wegen des Abbruchs anfangs eine Spur auf der Gudesstraße für den Autoverkehr gesperrt war – eine erhebliche Beeinträchtigung des Verkehrs in Richtung Innenstadt.

„Die Stadt hätte beinahe selbst eingreifen müssen, weil die Gefahr zu groß wurde, dass etwas abbricht“, erklärt Scheele-Krogull. Daher wurden die Arbeiten kurz fortgesetzt, aber auch nach dem letzten Abbruch-Schritt im November sei die Situation „immer noch unbefriedigend“. „Es besteht keine Gefahr, aber der Schandfleck ist doch nicht hinnehmbar“, ärgert sich Karsten Jäkel, Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses.

„Die Stadt hat keine rechtliche Handhabe.“ Nur wenn die Baustelle im Sommer stark staube, dürfe die Stadt Wasser spritzen, macht Scheele-Krogull deutlich, dass der Verwaltung die Hände gebunden sind. Was auf dem Grundstück künftig entstehen soll, ist Scheele-Krogull noch nicht bekannt. Die Stadt könne maximal verhindern, dass auf dem Grundstück beispielsweise eine Stellplatzanlage entstehe.

Ähnlich sieht es beim Café Harder aus, das vor dem Abriss jahrelang leer stand. „Es sollte schon lange Baubeginn sein“, sagt Scheele-Krogull auf AZ-Nachfrage. Doch bislang fehlen noch „paar Kleinigkeiten vom Bauherren“, so dass die Baugenehmigung bislang nicht erteilt werden konnte. Hinzu komme, dass es Überlegungen gebe, den Neubau auf dem Grundstück von Café Harder bis zur Schuhstraße durchzubauen, „so etwas ist uns zu Ohren gekommen“, sagt der Baudezernent. Im Juni war das Gebäude bis auf die Frontfassade abgerissen worden. Der Besitzer, der in der Schweiz lebt, hatte bereits im Frühsommer einen Bauantrag gestellt – offenbar unvollständig. Für das Erdgeschoss im Neubau sei ein Einzelhandelsgeschäft mit mehr als 200 Quadratmetern geplant, für die oberen Geschosse Büroräume und für das Dachgeschoss Wohnungen. Die Stadt könne keine vollständigen Bauanträge erzwingen. „Es geht Schritt für Schritt voran, aus unserer Sicht zu langsam“, kritisiert Scheele-Krogull.

Von Diane Baatani

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