Entdeckerbus könnte ab 2014 in den ÖPNV integriert werden / Fahrpreiserhebung im Gespräch

Linie statt Rundkurs?

Zurzeit fährt der Entdeckerbus noch im Zwei-Stunden-Takt auf drei Rundkursen durch den Landkreis Uelzen. Archivfoto:  Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. Erst vor wenigen Tagen war er auf der Reisen-Messe in Hamburg neben dem Uelzener Hundertwasserbahnhof der Besucher-Magnet schlechthin: der Entdeckerbus, der seit 2007 durch den Landkreis Uelzen fährt.

Ständig und immer wieder wird an seiner Verbesserung gearbeitet, damit die Mitfahrenden bequem die Sehenswürdigkeiten dieser Region ansteuern können. Und so sind die Verantwortlichen auch zurzeit am Überlegen – und zwar, ob man den Entdeckerbus in das Netz des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) einbindet, das zurzeit erarbeitet wird.

„In diesem Jahr fährt der Entdeckerbus nochmal so wie bislang“, kündigt Marlis Kämpfer, Leiterin der Wirtschaftsförderung „Uelzen aktiv“ an: freitags, sonnabends und sonntags auf drei Rundstrecken im Zwei-Stunden-Takt. Ab kommendem Jahr aber könnte die Integration in den ÖPNV erfolgen – mit einem möglichen Haken: der ÖPNV ist kostenpflichtig für die Mitfahrenden, und so wäre es dann auch der Entdeckerbus. Marlis Kämpfer schwant, dass dies den derzeitigen Zulauf verändern könnte. „Wenn der Entdeckerbus Geld kostet, fährt keiner mit. Es gibt eine absolute Korelation zwischen Fahrpreis und Zusteigern“, hatte sie jüngst den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsausschusses des Landkreises unmissverständlich mit auf den Weg gegeben. Denn in den vergangenen Jahren waren bereits Versuche unternommen worden, Busticktes für drei oder vier Euro einzuführen – mit dem Ergebnis, dass der Bus fast leer durch die Lande fuhr.

Die Integration in den ÖPNV hätte den Vorteil, dass der Entdeckerbus von Hotels und Ausflugseinrichtungen beworben werden könnte. „Zurzeit müssen wir jedes Jahr aufs Neue die Gelder für den Entdeckerbus beantragen“, erklärt Marlis Kämpfer. Denn der Bus wird aus sogenannten Regionalisierungsmitteln finanziert, die das Land Niedersachsen dem Landkreis Uelzen für die Verbesserung des ÖPNV zur Verfügung stellt. Wollen die Uelzener das Geld haben, müssen sie jedes Jahr erneut in Hannover anklopfen. Das o.k. komme dann meistens im Oktober, weiß Marlis Kämpfer – zu spät für Hotellerie und andere, um für den Entdeckerbus, der von Juli bis September unterwegs ist, Werbung machen zu können – weil die jeweiligen Hausprospekte in der Regel dann schon fertig sind.

Das komplexe ÖPNV-Netz derweil muss eher stehen, nämlich zum August eines Jahres, wenn das Schuljahr beginnt. Was den Entdeckerbus betreffe, so Kämpfer, hätte man dann Planungssicherheit. Eine erste Idee gibt es schon, wie es dann laufen könnte: sonnabends und sonntags würde der Entdeckerbus mit seinem Fahrradanhänger (ein Viertel des Mitfahrer hat nämlich Drahtesel dabei) starten – freitags nicht, weil das mit dem Schülerverkehr kollidieren würde. Die Frage, an der derzeit getüftelt werde, sei: Wie viele Linien braucht man, um alle Ausflugsziele anzusteuern? Zu den beliebtesten gehören die Ellerndorfer Heide, das Museumsdorf Hösseringen, die Bodenteicher Burg, das Mühlenmuseum Suhlendorf, Bad Bevensen mit seiner Therme, die beiden Klöster in Medingen und Ebstorf und der Skulpturenpfad in Bienenbüttel.

Und dann ist da eben noch die Sache mit der Kostenpflichtigkeit des Linienverkehrs. „Man könnte den Entdeckerbus wohl aus dem ÖPNV herausrechnen“, sagt Marlis Kämpfer vage. Wie das funktionieren könne, werde geprüft. Rund 80 000 Euro kostet der Entdeckerbus zurzeit jährlich – würde er aber nur an zwei Tagen fahren, wären die Kosten geringer. Ein möglicher Ansatz, den man verfolgen könnte.

2011 haben 20 549 Zusteiger bei 645 Fahrten den Entdeckerbus genutzt, 2012 wurden 21 853 Zusteiger bei 630 Fahrten gezählt. Befragungen ergeben, dass der Entdeckerbus gut ankommt. Auch bei Einheimischen, denn die machen neben 50 Prozent Urlaubern die andere Hälfte der Mitfahrenden aus. „Es ist ja auch wichtig, das jemand aus Bienenbüttel mal Bad Bodenteich kennenlernt oder umgekehrt“, findet Marlis Kämpfer. Und so ist der Bus nicht nur eine touristische Einrichtung, sondern tatsächlich auch eine Bereicherung für den Öffentlichen Nahverkehr.

Von Ines Bräutigam

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