Umschlag mit Geld vor Uelzener Bank entrissen: Eljesa B. wegen räuberischen Diebstahls vor Gericht

Tat für „Lieblingsdroge Kokain“

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Pflichtverteidiger Moritz David Schmitt (hinten) stellte gestern mit seinen Beweisanträgen den von der Staatsanwaltschaft formulierten Straftatbestand in Frage. Der Angeklagte Eljesa B. zeigte sich zum Auftakt der Verhandlung geständig.

Lüneburg/Uelzen. Eigentlich hätte die 4. Große Strafkammer des Landgerichts Lüneburg gestern Mittag schnellen Prozess machen können: Der Tatverdächtige war geständig, alle fünf geladenen Zeugen hatten zügig und widerspruchslos ausgesagt und alle Fragen des Gerichts waren umfassend beantwortet. Kurzum:

Um 13. 14 Uhr war der Vorsitzende Richter Franz Kompisch mit seinem „Programm durch. “ Nicht jedoch Rechtsanwalt Moritz David Schmitt aus Frankfurt/M. : Mit mehreren Beweisanträgen, „Probebohrungen“, wie er es nannte, stellte er den von der Staatsanwaltschaft formulierten Straftatbestand des räuberischen Diebstahls in Frage und erzwang so eine Vertagung des Verfahrens.

Angeklagt ist der 1992 geborene, kosovarische Staatsangehörige Eljesa B., dem vorgeworfen wird, am 11. Juli 2014 in der Uelzener Schmiedestraße zehn Meter vor dem Eingang der dortigen Volksbankfiliale dem Bankkaufmann Carsten Uwe S. von hinten einen Briefumschlag mit Bargeld in Höhe von 1255 Euro entrissen und bei der Flucht den Tätowierer Rene K., der sich ihm im Verlauf der Flucht in den Weg gestellt habe, mit einem Messer bedroht zu haben.

Außerdem soll B. in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 2014 versucht haben, in das Büro des Dänischen Bettenlagers an der Mühlenstraße einzubrechen, was ihm jedoch nicht gelungen sei.

Bei seiner Befragung begab sich Kompisch zunächst auf Motivsuche: „Ich brauchte Geld für Essen, Trinken und meine Lieblingsdroge Kokain“, antwortete der bereits mehrfach vorbestrafte B., der angab, seit 2012 täglich ein bis zwei Gramm des sogenannten Schnees zu konsumieren und am Tattag bereits frühmorgens vier bis fünf „Lines“ geschnupft und zusätzlich einige Gläser Whiskey-Cola getrunken zu haben. Das Klappmesser mit der acht bis zehn Zentimeter langen Klinge habe er aufgrund „seiner Probleme“ immer dabei gehabt, um sich zu beschützen, gezückt habe er es schließlich, „weil ich einfach Angst vor dem Knast hatte.“

Dieser wird den bereits in Haft sitzenden 24-Jährigen wohl in jedem Fall erwarten, allein über das Strafmaß wird am Freitag weiter gestritten. Leicht wird es Verteidiger Schmitt dabei nicht haben: „So läuft das hier nicht, sie können hier nicht laufend weitere Anträge stellen, das ist nicht Usus“, rügte Kompisch den Anwalt, und „Einigen ist nicht mein zweiter Vorname.“

Von Marcus Kieppe

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