29-Jährige fährt mehrmals gegen Wagen – darin sitzen ihr Ex-Freund und seine neue Lebengefährtin

Die Liebe endet an der Stoßstange

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Eifersuchtsdrama im anbrechenden Winter letzten Jahres auf Uelzener Straßen? Die Angeklagte soll mehrfach auf das Auto ihres Exfreundes aufgefahren sein.

Uelzen. „Die Liebe kommt, die Liebe geht“, singen die Comedian Harmonists in einem ihrer Lieder. Im großen Sitzungssaal des Amtsgerichtes geht es gestern Morgen um die Liebe, die nicht blieb. Vier Jahre waren die Altenpflegerin und der Kältetechniker ein Paar.

Jetzt sitzen sie sich gegenüber – als Angeklagte und Geschädigter. Und doch werden fast versöhnliche Töne angeschlagen: Er, 30 Jahre alt, findet seine Ex-Freundin muss nicht verurteilt werden. „Sie ist schon bestraft genug“, sagt der Kältetechniker in seiner Aussage. Das letzte Wort hat jedoch das Schöffengericht unter Vorsitz von Rainer Thomsen. Und der Tatvorwurf gegen die 29-Jährige wiegt schwer: gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Die Angeklagte soll, so verliest zu Beginn des Prozesses der Erste Staatsanwalt Thomas Naumann, Mitte November des vergangenen Jahres in der Ripdorfer Straße mehrfach auf das Auto ihres Exfreundes aufgefahren sein und es schließlich, ein paar Straßen weiter, sogar seitlich gerammt haben. Dabei sitzt nicht nur der Exfreund im Auto vor ihr, sondern auch seine neue Freundin, die auch Grund für das Ende der Beziehung gewesen sein soll. Sieben Jahre jünger ist sie als die Angeklagte. Ein Eifersuchtsdrama auf den Straßen von Uelzen?

Als es zur Kollision zwischen den beiden im November kommt, liegt die Trennung noch nicht lange zurück. Im Oktober zieht er aus der Wohnung aus, für die bis dahin beide zahlen. Jetzt hat die Angeklagte alleine für die Miete aufzukommen und auch noch „Gesprächsbedarf“, weil weiteres „Finanzielles“ noch zu klären sei. Versuche aber, mit ihrem Ex-Freund zu reden, seien gescheitert – weil Anrufe ignoriert worden seien, oder man sie aufforderte, ihn nicht zu belästigen, erzählt sie vor Gericht. Auf der Heimfahrt von der Arbeit am 14. November erkennt sie dann das Auto ihres Exfreundes vor sich. Das erste Mal habe sie da ihren Exfreund auch mit der neuen Lebensgefährt gesehen – „ich war emotional aufgebracht.“ Sie habe gezittert. Und er? „Hat in den Rückspiegel geguckt und gegrinst.“ Sie habe mit ihm reden wollen – deshalb sei sie ihm durch Uelzen gefolgt, schildert sie weiter vor Gericht. Was dann geschah, daran könne sie sich nicht mehr im Detail erinnern. Jedenfalls habe sie nicht bewusst entschieden, „ihm jetzt da draufzufahren“. Ob sie das Auto zunächst, wie von der Staatsanwalt vorgetragen, mehrmals berührt habe, wisse sie nicht genau. Zur Kollision sei es gekommen, weil es eine „unklare Situation“ gab.

Richter Thomsen bringt es für das Gericht auf Punkt: „Da sind ihnen die Sicherungen durchgegangen.“ Er hält eine Geldstrafe für nötig, aber nicht zwingend ein Urteil. Zumal der Geschädigte erklärt habe, es sei alles geregelt. Das Verfahren wird eingestellt. Die Altenpflegerin muss 1200 Euro an das Uelzener Frauenhaus zahlen. Nach gut 45 Minuten geht man getrennte Wege.

Von Norman Reuter

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