Corinna Meiß forscht nach ihren Vorfahren – das führt sie nach Uelzen

Auf Lewis Wieseners Spuren

Fieberhaft sucht Corinna Meiß nach Hinweisen über Lewis Wiesener. Er soll nach dem Zweiten Weltkrieg ein Helfer im Flüchtlingslager Bohldamm gewesen sein. Fotos: Privat

Uelzen. Sie könnte Vorlage einer Hollywoodverfilmung sein: Die Biografie von Pastor Lewis Wiesener handelt von Wohlstand und schwerem Schicksal, dem Kalten Krieg und der Weltwirtschaftskrise.

Die Spur des „Protagonisten“ führt ins ferne Irland und verläuft sich schließlich in Uelzen – genauer gesagt im Notaufnahmelager Bohldamm – wo er als Wohltäter fungierte.

Corinna Meiß.

Diplom-Politologin und PR-Managerin Corinna Meiß hat in jahrelanger, intensiver Recherchearbeit den Stammbaum und das Leben der Familie Wiesener rekonstruiert und befasst sich derzeit mit der Vergangenheit des 1982 verstorbenen Pastors – dem Cousin ihrer Großmutter. Schülerlisten, An- und Abmeldebücher aus dem Kaiserreich, Zeitungen und Melderegister hat die 44-jährige studiert und so Puzzleteil für Puzzleteil sorgfältig zusammengefügt.

Die Geschichte des Lewis Wiesener aus Belfast führt sie dabei zurück ins frühe 20. Jahrhundert. 1903 verstarb sein Vater Otto im Alter von 35 Jahren „aus bislang unbekannten Gründen“, wie Corinna Meiß bedauert. Er hinterließ eine schwangere Frau mit bereits vier Kindern. Ältester Sohn: Lewis Wiesener.

Vermutlich mit der Absicht, die Mutter zu entlasten, führte sein Weg drei Jahre nach dem Tod des Vaters nach Goslar zu seinem Großvater Louis, der seinerzeit die Geschicke um den Verein Creditreform in Goslar leitete – ein Familienunternehmen, in dem einst auch Lewis Vater als Geschäftsführer in Belfast tätig war. An dieser Stelle weist die Geschichte eine erste – wenn auch zufällige – Verbindung zur Uhlenköperstadt auf: Der derzeitige Leiter des Auskunfts- und Inkassounternehmens nämlich, Klaus Styra, hat hier heute sein Hauptbüro.

Doch zurück ins 20. Jahrhundert: Um 1913 kehrte Pastor Wiesener zurück nach Irland, wo er zunächst als Buchhalter arbeitete. Mit der Weltwirtschaftskrise schließlich legte er seine Berufung nieder und verbrachte einige Jahre als Wanderprediger, fand Corinna Meiß heraus und beruft sich dabei auf Aussagen Andrew Owen-Jones, einem Enkelsohn Lewis Wieseners. Weiter vermutet Meiß, „dass es für die deutsch-englische Familie Ottos im nordirischen Ausland nicht einfach gewesen sein wird.“ Der Repressalien wegen.

Nach dem zweiten Weltkrieg also führte sein Weg zunächst zurück nach Goslar – primär jedoch „aus Sorge um seine deutsche Verwandtschaft“, so die Politologin.

Meiß: „Ihn hat das Schicksal der Flüchtlinge sehr bewegt, und deshalb hat er etwas tun wollen.“ Immer wieder pendelte Wiesener deshalb zwischen Nordirland und Deutschland, sammelte Spenden, um dem Elend in deutschen Flüchtlingslagern – auch im Uelzener Notaufnahmelager Bohldamm – zu begegnen. In einem Beitrag der Bildzeitung hieß es dazu: „Pastor Wiesener – sein Vater war Deutscher – konnte noch nie menschlichem Elend tatenlos zusehen. 1951 besuchte er das Flüchtlingslager Uelzen, um acht Säcke mit Kleidung unter die Notleidenden zu verteilen. Aus dem Besuch wurde ein neunjähriger Aufenthalt und eine segensreiche Tätigkeit als Lagerpastor von Uelzen.“

1982 schließlich stirbt der Wohltäter im Alter von 84 Jahren im nordirischen Bangor und noch bis heute klaffen Lücken in der Biografie des Pastors. Corinna Meiß würde sich deshalb über Kontakt zu Zeitzeugen, Bildmaterial und weitere Hinweise freuen (E-Mail: info@wiesener-family.com). Weitere Infos rund um das Leben der Familie Wiesener gibt es unter www.wiesener-family.com.

Von Anna Petersen

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