Leukämie gehört für sie zum Alltag

Uelzen. „Ordentlich Paduschka wird’s geben“, lacht Heinz Kutzenski. Der Ebstorfer erwartet nämlich großen, oder besser kleinen Besuch. Zwei Mädchen aus dem weißrussischen Gomel werden vier Wochen lang bei dem Rentner wohnen. Und zur Verstärkung der angekündigten Kissenschlacht ist auch noch sein Enkel Tore mit einem Freund bei den Großeltern einquartiert.

Für den Elfjährigen ist der Besuch aus der Ukraine völlig neu. Die meisten der 16 Familien aus Uelzen und dem Umland jedoch kennen sich aus mit den kleinen Gästen und erwarten die Kinder aus Osteuropa schon ungeduldig. Seit 18 Jahren bereits organisiert der Uelzener Kirchenkreis die vierwöchigen Aufenthalte der Jungen und Mädchen aus Gomel. Während im Jugenddorf Molzen die akut an Leukämie erkrankten Kinder mit der Ärztin Swetlana Hodulewa untergebracht sind, werden die „stabileren“ von ihnen bei Gasteltern wohnen.

Die Region um Gomel ist rund 130 Kilometer von Tschernobyl entfernt. Auch 25 Jahre nach dem Reaktorunfall sind die Folgen verheerend. „Mehr oder minder sind alle verstrahlt“, berichtet Alfred Lange. „Die Leukämierate geht weiter nach oben“, ergänzt das Gomel-Ausschuss-Mitglied. Da sich die Familien aus Geldmangel zum Großteil von Gemüse aus dem eigenen Garten ernähren, nehmen die Kinder aus Gomel tagtäglich neben der radioaktiv verstrahlten Luft auch stark belastete Nahrung zu sich.

„Kinder, die vier Wochen in Deutschland sind, brauchen dieses Jahr nicht mehr im Krankenhaus behandelt zu werden“, weiß die mitgereiste Medizinerin Swetlana Hodulewa zu berichten. Aber nicht nur die Luft und das Essen, auch die Ausflüge, Eindrücke und neuen Freundschaften wirken sich auf die Gesundheit aus, berichtet sie weiter. „Kranke Kinder brauchen mehr Aufmerksamkeit“, fasst die Ärztin zusammen. Für die insgesamt 42 kleinen Gäste wurde ein buntes Programm mit Grillen, Baden in der Ostsee, Zoobesuchen und Partys oranisiert. „Die Kinder sollen mit den Gastfamilien eine unbeschwerte Zeit verbringen“, wünscht sich Alfred Lange.

„Wir wollen shoppen gehen in Hamburg“, verrät Nane, die zum ersten Mal eine russische Gastschwester hat. „Ich glaube, das wird richtig lustig“, freut sich die 13-Jährige auf Katja aus Gomel, die schon letztes Jahr in Uelzen war. Gegen Heimweh hilft der 12-jährigen Russin Klavier spielen, worüber sich ihre Gastmutter natürlich freut. Vor Sprachbarrieren hat die Achtjährige Janne keine Angst. „Ich freu’ mich, dass wir ein bisschen Russisch lernen“, erzählt sie fröhlich. Auch die langjährige Mitarbeiterin des Gomel-Ausschusses, Gerda Garde, hat für ihr fünfjähriges Gastkind eine Lösung gefunden. „Mit Egor schnack’ ich platt. Das glaubt mir zwar keiner, aber es stimmt“, erklärt sie lachend.

„Kanikuli“ heiß auf Russisch Ferien und wie diese vier Wochen werden „hängt davon ab, ob wir gewinnen“, sagt Tore lachend und freut sich auf die Kissenschlacht zu viert bei seinen Großeltern.

Von Lea Bernsmann

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