600 Gäste in St. Marien: Bewegende Trauerfeier zu Ehren von Peter Struck

Letzte Ruhe für „sensible Seele“

Uelzen. Zehn Minuten lang läuteten die Glocken von St. Marien gestern Mittag über der Stadt – zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten der rund 600 Gäste, die zur Trauerfeier für den verstorbenen Dr.

Peter Struck in die Uelzener Kirche gekommen waren, bereits ihre Plätze gefunden. Neben der Familie des Verstorbenen und Prominenz aus Politik und Gesellschaft waren es vor allem die Uelzener Bürger, die das Kirchenschiff füllten.

Gemeinsam erinnerten sie sich an Peter Struck, „an sein Leben und alles, was uns mit ihm gegeben wurde“, begrüßte Propst Jörg Hagen die Trauergemeinde. Und so verbreitete auch gleich das eingangs gesungene Dietrich-Bonhoeffer-Lied „Von guten Mächten“ trotz des Schmerzes und Verlustes auch einen Hauch von Zuversicht, von Hoffnung und Trost. Genau das sprach auch aus den letzten Grüßen der drei Kinder Strucks an ihren verstorbenen Vater. Tochter Ann Sybill zitierte tief bewegt mit tränenerstickter Stimme den Psalm 121: „Ein Lied im höhern Chor. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen; und der dich behütet, schläft nicht. (...) Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele, der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“

Mitten im Leben begegnen den Menschen Sterben und Tod, und dagegen sei man machtlos, sprach Militär-Bischof i. R. Peter Krug, der im Amt gewesen ist, als Struck Bundesverteidigungsminister war. Der Tod wiege schwer und tue weh, so Krug, aber man solle ein waches Auge und offenes Herz für die Menschen an seiner Seite bewahren, um diese Zeit gemeinsam durchzustehen. Trostreiche Worte zitierte er aus der Offenbarung des Johannes: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. (...) Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Der Familie von Peter Struck blieben vor allem schöne Erinnerungen an den Ehemann, Vater und Großvater – aus einem reich gefüllten Leben, das bis ins 70. Lebensjahr hinein gereicht habe. Erinnerungen an sein kritisch-heiteres Wesen, seinen wachen und wachsamen Blick oder diese unverwechselbare Stimme mit der rauchig-raunenden Klangfarbe, vor allem aber auch Erinnerungen an seinen aufrechten, geradlinigen und verlässlichen Charakter. „Er hatte ein gutes Gespür für die tieferen Schichten menschlicher Verantwortung“, so Bischof Krug – eine Eigenschaft Strucks, die vor allem „seine“ Soldaten würdigten.

Peter Strucks Zwillinge Niklas und Caren dankten für das Leben mit ihrem Vater, in dem „viel Freude erfahren und viel Freude gegeben“ wurde. Und nicht zuletzt war es Wunsch der beiden, etwas mehr zwischenmenschliche Wärme in die Welt zu bringen und Solidarität mit denen zu üben, die sich selber nicht helfen könnten – „so wie Peter Struck es uns vorgelebt hat“.

Einen Gedanken, den Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière in seiner Rede aufnahm. Struck sei für ihn durchaus auch Vorbild gewesen – beispielsweise bei der Entscheidung, Bundeswehrstandorte zu schließen. Unter vier Augen habe ihm Struck geraten: „Gut überlegen, mit allen sprechen, alleine entscheiden, Kanzlerrückendeckung sichern und dann nicht wackeln.“ So habe er dann auch gehandelt, räumte de Maizière ein. Die enge Verbindung zu einem engen Weggefährte, „der Menschen zu Lösungen führte, ohne dass es Sieger und Verlierer gab“, betonte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Mit seiner Menschenkenntnis und Überzeugungskraft sei er ein Glücksfall für die parlamentarische Demokratie gewesen.

Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur a. D., würdigte den Verstorbenen neben seinen Leistungen als Verteidigungsminister mit einer kleinen Episode über den „Menschen Struck“, mit dem er über all die gemeinsamen Dienstjahre per Sie gewesen war. Als Schneiderhan als Generalinspekteur (GI) im Spätherbst 2009 durch den damaligen Verteidigungsminister Guttenberg im Zuge der Kundus-Affäre das Vertrauen entzogen wurde und er sein Rücktrittsgesuch eingereicht hatte, trafen sich Schneiderhan und Struck in privater Atmosphäre. „GI“, sagte Struck seinerzeit zu Schneiderhan, „ich kann nichts mehr für Dich tun – aber ich bin jetzt der Peter.“ Als Schneiderhan gestern in St. Marien diese Sätze gesprochen hatte, drehte er sich zum Sarg, verbeugte sich tief und zollte Peter Struck seine höchste Anerkennung.

Abschied von Peter Struck (Fotostrecke Teil I)

Abschied von Peter Struck (Teil I)

Abschied von Peter Struck (Fotostrecke Teil II)

Abschied von Peter Struck (Teil II)

Abschied von Peter Struck (Fotostrecke Teil III)

Abschied von Peter Struck (Teil III)

In dem Zusammenhang betonte Schneiderhan, dass es sich bei dem oftmals in der Öffentlichkeit als Raubein wahrgenommenen Struck lediglich um eine äußere Schablone gehandelt habe. Dahinter „lag eine sensible Seele, die nah am Wasser gebaut war“, sprach Schneiderhan mit leisen Worten. Diese hinterließen in den Gesichtern und Seelen der 600 Trauergäste gestern Mittag tiefe Spuren.

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