Egon Schwartz und Kollegen bereiten Verkehrsfreigabe vor

Uelzen: Letzte Handgriffe an der Greyerbrücke

+
Er bleibt, bis alles fertig ist: Polier Egon Schwartz hat auf der Bau- stelle alles im Blick.

nre Uelzen/Landkreis. Noch ist der Asphalt für die Fahrbahn nicht aufgetragen worden, viel fehlt aber nicht mehr für den sprichwörtlich letzten Besenstrich vor der Verkehrsfreigabe der Greyerbrücke am Freitag kommender Woche.

In der Kälte des Morgens bringen die Bauarbeiter Andreas Gerchel und Olaf Hübner Geländerteile in Position. Es wird angesetzt, gedrückt, geschraubt, sich beraten – dazu zwitschern Vögel aufgeregt auf den Bäumen am Ilmenau-Ufer. Über einen Förderkorb werden Kollegen seitlich am Bauwerk herabgelassen, damit die verbliebene Verschalung aus vier Meter langen Bohlen, an der auch das provisorische Geländer montiert war, abgenommen werden kann. Wo noch vor zwei Wochen eine Lücke zwischen der Brücke und den Fahrbahnen auf beiden Seiten der Ilmenau klaffte, wird ein Mineralgemisch als Untergrund für das Bitumen plan gezogen.

Lesen Sie dazu auch: Oldtimer eröffnen die Greyerbrücke

„Es sieht ordentlich aus“, sagt Egon Schwartz. Die Männer auf der Baustelle sind sich einig: Wenn jemandem der letzte Besenstrich gebührt, dann Schwartz. Als Polier war er der erste Mann auf der Baustelle, als sie im August eingerichtet wurde. Und er bleibt, bis alles fertig ist. Das wird nicht der Tag der Verkehrsfreigabe sein, sagt Schwartz. Arbeiten im Böschungsbereich sowie am Rad- und Fußweg seien im Anschluss noch zu erledigen.

Über einen Förderkorb wird die verbliebene Verschalung in diesen Tagen noch abgenommen.

Seit 38 Jahren ist Schwartz im Betonbau tätig und wohnt eigentlich in Gardelegen in der Altmark. Bei längeren Bauprojekten bleibt er vor Ort. Sein Wohnmobil hat er deshalb gleich neben der Baustelle, „um die Ecke“, wie er sagt, stehen. Baustelle und „Wohnraum“ sind fast eins – dass passt zum Polier, der alles im Blick haben muss. Und wie Schwarz verrät, fällt es ihm schwer, auch an den Wochenenden, an denen er nach Hause fährt, nicht an die Arbeit zu denken. „Du hast es eigentlich immer im Kopf“, sagt er. Für das aktuelle Bauprojekt bedeutet das, 13 Monate nicht von der Greyerbrücke loslassen können. Zu DDR-Zeiten hat Schwartz die Arbeiten an einer Kläranlage begleitet: „Die Maßnahme dauerte sechs Jahre.“ Jede Baustelle sei etwas Besonderes, meint Schwarz. „Man lernt stets dazu, damit beim nächsten Mal alles noch besser läuft.“ Nach fast vierzig Jahren sei aber ja kaum noch eine Steigerung möglich, meint der Polier mit einem Augenzwinkern.

Wenn ihm etwas von den Brückenbauarbeiten in Uelzen im Erinnerung bleibt, dann der Abbruch des alten Bauwerkes. „Dabei kam das größte technische Knowhow zum Einsatz“, sagt Schwartz. Ein riesiger Kran hatte Beton-und Stahlelemente, jeweils 14 Tonnen schwer und 30 Meter lang, von den Pfeilern gehoben.

Wenn in den nächsten Wochen die letzten Baumaschinen abrücken und schließlich auch der Polier von Uelzen Abschied nimmt, wird nichts mehr an die Monate der Arbeiten erinnern. Ob es nahtlos zur nächsten Baustelle geht, wissen Egon Schwartz und seine Kollegen noch nicht. Das sei auch wetterabhängig, erklärt Schwartz. Und wenngleich die Bauwirtschaft turbulente Zeiten erlebe, ist sich der 53-Jährige sicher, dass es immer einen Anschlussauftrag geben wird. „Brücken werden in Deutschland immer irgendwo geschlagen“, sagt er.

Kommentare