Leiser als ein Staubsauger

Mitschunkeln zu Livemusik beim Oktoberfest – das wird es ebenso wie das Gartenfest zu Pfingsten im Hofinger nicht mehr geben.Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. 70 Dezibel laut ist der durchschnittliche deutsche Staubsauger laut „Technischer Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA). Und selbst so laut wie einer Teppichreinigung darf es beim Uelzener Gastronomen Josef Hofinger künftig nicht mehr zugehen, wenn er sein alljährliches Gartenfest zu Pfingsten und sein Oktoberfest Mitte September organisiert. Bei 60 Dezibel ist Schluss. So will es das Gesetz. Und das bedeutet das Aus für die beiden Feste in der Kultkneipe an der Gudesstraße, die alljährlich ein bunt gemischtes Publikum anzogen.

Denn wenn im Hofinger eine Band aufspielt oder die Musikanlage aufgerissen wird, dann erreicht man bis in die Nacht ganz andere Lärmwerte als ein Staubsauger. 13 Jahre lang tolerierten die Anlieger das mehr oder weniger, doch jetzt platzte einem der Kragen. Er schrieb einen deutlichen Brief ans städtische Ordnungsamt – und das hat keine andere Wahl, als die gesetzlichen Auflagen einzufordern.

Betroffen ist eine Wohnanlage schräg hinter dem Hofinger, von denen manche der 28 Wohnungen keine 20 Meter Luftlinie von der Kneipe entfernt sind. Der Bau ist mehrere Stockwerke hoch „und das schallt hier regelrecht herein“, schildert der Hauptbeschwerdeführer gegenüber der AZ. Er muss es wissen, schließlich leitet er selbst das Ordnungsamt einer Gemeinde im Landkreis Celle. Entsprechend gespickt war sein Beschwerdebrief mit Hinweisen auf gesetzliche Vorgaben.

Dass die Lärmgrenze von 60 dbA nicht überschritten werden darf, ist unstrittig unter den Beteiligten. Auch nicht der Umstand, dass es in den Vorjahren wohl lauter zuging. „Aber ich habe mich eben immer um ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn bemüht und viele haben auch Verständnis gezeigt“, so Josef Hofinger.

Mit 30 Rosensträußen sei er sogar von Wohnung zu Wohnung marschiert, schildert er. Manche Anwohner nahmen den Strauß an, andere wiesen ihn schroff als „Erpressungsversuch“ zurück.

Die Stadt stehe den Veranstaltungen im Hofinger durchaus positiv gegenüber, versichert derweil die Stadt. Und in den vergangenen Jahren seien die Feste insgesamt auch positiv verlaufen. Doch in diesem Jahr liege der Verwaltung eben bereits im Vorfeld eine Eingabe eines Anwohners vor. „Wir würden die Veranstaltung aber mit entsprechenden Auflagen genehmigen“, erklärt ein Stadtsprecher. Die wurden zwischen Ordnungsamtsleiter, Dezernenten und Hofinger in einem Gespräch im Rathaus erörtert. „Die müssen so handeln“, weiß der Wirt und hat angesichts der Lärmauflagen für sein Gartenfest keinen Antrag mehr gestellt.

Es ist für Josef Hofinger eine Absage mit gemischten Gefühlen. Denn gute Nachbarschaft sei immer auch ein Geben und Nehmen sagt er. Zwar seien die beiden Festwochenenden für die Anwohner sicher unangenehm, „aber den Rest des Sommers mache ich meinen Biergarten auch an den Wochenenden erst abends auf und sie können sonnabends und sonntags immer ungestört auf ihrem Balkon sitzen“.

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