„Leicht zum Allerletzten“

WISO-Moderator Michael Opoczynski bedachte die Stadtwerke Uelzen mit beißendem Spott.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „Doch was fällt an den ukrainischen Feldern auf? Da fehlt doch was? Richtig, der Raps.“ Die Ironie in den Sätzen des Sprechers ist unüberhörbar. Sein Thema ist das Ukraine-Engagement der Stadtwerke Uelzen. Seit Montagabend das ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO das umstrittene Projekt des hiesigen Energieversorgers zum Anlass für einen Beitrag genommen hat, weiß bundesweit ein Millionenpublikum, wofür in der Uhlenköperstadt das Geld der Stadtwerke-Kundschaft ausgegeben wird: „Unbewirtschaftete Ackerflächen, die so groß sind wie 9000 Fußballfelder, ein umfangreicher Fuhrpark und Reise- und Hotelkosten für die regelmäßigen Fahrten zwischen Uelzen und der Ukraine.“

Die Stadtwerke hatten sich gegenüber dem Reporterteam viel Mühe gegeben und sogar bewegte Bilder von dem Projekt in Osteuropa zur Verfügung gestellt. Doch überzeugt wurden die Autoren des Beitrages von der Argumentation der Unternehmensführung offenbar nicht.

Für die Wirtschaftsexperten ist es eine Posse, was die Stadtwerke da in Uelzen versuchen – statt Raps ernten sie nur Spott. Ein Ausschnitt: Raps gebe es ja viel in Deutschland, „aber die Stadtwerke Uelzen holen ganz groß aus und wagen den richtig großen Schritt. Sie kaufen ihren Raps nicht, sie bauen den Raps selbst an. Aber nicht in Uelzen, sondern einmal quer durch Polen und vorbei an Tschechien und der Slowakei. Und schon ist man im ukrainischen Rivne (…) Hier soll sie sein, die Kornkammer Europas.“

Die Stadtwerke hätten sich für Äcker entschieden, „die ein bisschen entfernt von Uelzen liegen– e in bisschen sehr entfernt“.

Uelzens Bürgermeister Otto Lukat (SPD) gab sich gestern gelassen angesichts des Umstandes, dass seine Stadt vor einem Millionenpublikum durch den Kakao gezogen wurde: „Das kratzt mich überhaupt nicht“, erklärte er zur AZ. „Es wird deshalb kein Mensch weniger in die Stadt kommen, vielleicht sogar eher mehr.“

Neues habe er durch den Fernsehbeitrag nicht erfahren, so Lukat: „Das war eine Recherche an der Oberfläche, wir haben unsere Standpunkte, die durch diese Sendung nicht verändert wurden.“

Auch in seiner Meinung zu Bernhard Zentgraf, Vorstandsmitglied des niedersächsischen Steuerzahlerbundes, sieht sich Lukat bestätigt. Zentgraf hatte in der Sendung festgestellt, „dass das Ackerbauprojekt im letzten Jahr rund 900 000 Euro Miese gemacht hat; die Aufwändungen lagen bei drei Millionen Euro, der Ertrag bei 2,1 Millionen“. Es zeige sich, folgerte Zentgraf, „dass die Stadtwerke-Manager keine guten Landwirte sind“, die Stadtwerke müssten sich deshalb aus der Ukraine zurückziehen – „geordnet, aber vollständig“.

Denn „die Böden in der Ukraine mögen gut sein, aber wenn die Hälfte der Fläche brach liegt, die Stadtwerke Pacht zahlen, aber keinen Ertrag haben, das Risiko hoch ist, die Wirtschaftsmentalität nicht vergleichbar mit Deutschland – dann muss so ein Projekt scheitern“, so der Vorstand des Bundes der Steuerzahler.

Uelzens Bürgermeister hat auf diese Ausführungen eine Antwort: Man müsse „die Kritik des Steuerzahlerbundes vor dem Hintergrund sehen, dass er sich für die Privatisierung des öffentlichen Bereiches ausspricht“.

Etwas kritischer sieht das Ukraine-Engagement derweil der Uelzener Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer (CDU): „Es ist nicht primäre Aufgabe von Stromversorgern, Getreide anzubauen“, sagte er vor rund 100 Jungen und Mädchen der Theodor-Heuss-Realschule.

WISO-Moderator Michael Opoczynski formulierte es etwas deutlicher: „Wenn deutsche Stadtväter sich als ukrainische Landwirte versuchen, dann wird das leicht zum Allerletzten.“

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