Uelzen im Luftkrieg: Heinrich Priesterjahn präsentiert Fotos von der Situation in den Jahren 1944 und 1945

Das Leben nach den Bombenangriffen

1945: Instandsetzung der oberirdischen Fernmeldelinie.

Uelzen. „Ich sehe den Bezug zu dem, was wir heute treiben. “ Heinrich Priesterjahn aus Uelzen will vor dem Hintergrund von Militäreinsätzen wie in Syrien und Mali einmal mehr auf die Folgen von Kriegen aufmerksam machen.

„Ich denke, dass wir die Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg nicht vergessen sollten. “ Daher möchte er Fotos von Zerstörungen durch die drei Luftangriffe in Uelzen, die er bislang noch nicht bei seinen Vorträgen zeigen konnte, sowie den Beitrag einer Wochenschau von Februar 1945 bei einer Veranstaltung des Vereins Historisches Uelzen am Donnerstag, 11. April, um 19 Uhr im Eichensaal II der Stadthalle Uelzen präsentieren. Der Eintritt ist kostenlos.

18. April 1944: Die Alliierten werfen in großem Umfang Brandbomben ab. Priesterjahn ist der Ansicht, dass es zuvor Aufklärungsflüge gab und der Bahnknotenpunkt in Uelzen als Ausweichziel festgelegt und schließlich gezielt angegriffen wurde. Die traurige Bilanz: Vier Tote, vier Schwerverletzte, sieben leichter Verletzte, 21 Leichtverletzte, 126 Häuser mit 330 Wohnungen beschädigt, 13 Häuser mit 27 Wohnungen total vernichtet. Erst nach diesem Angriff wurde in Uelzen die Verdunkelungspflicht ernst genommen, sagt Priesterjahn.

22. Februar 1945: Erneut wird Uelzen Ziel eines Luftangriffs, genauer der Güterbahnhof. Viele Straßenzüge in der Uelzener Innenstadt werden zerstört, Eisenbahn-Unterführungen stürzen ein. Auf Karten zeigt Priesterjahn die Folgen dieses Angriffs an der Dieterichsstraße, Alewinstraße und Karlstraße. Die Kanalisation ist getroffen, das Wasser steht auf den Straßen, Bombenkrater wie an der Kuhlaustraße/Ecke Dieterichsstraße zeugen von dem Vorfall. Menschen retten ihre Bettwäsche auf Handwagen. Ein Haus an der Karlstraße zum Beispiel wurde nach dem ersten Luftangriff renoviert, kurz vor dem zweiten Angriff ist es fertig und wird erneut zum Ziel. 22.48 Uhr: Schadensmeldung nach Isenbüttel: 400 Spreng- und Brandbomben waren abgeworfen worden, 36 Maschinen waren geflogen worden. Aus Zeitdokumenten lässt sich nachvollziehen, dass ursprünglich noch drei weitere britische Flieger gestartet waren.

Erneut eine traurige Bilanz: 31 tote und 36 verwundete Wehrmachtsangehörige, 118 tote und 51 verwundete Zivilpersonen, 95 Wohnhäuser total zerstört, zitiert Priesterjahn Angaben des Stadtarchivars Dr. Reimer Egge. Bei der Ausarbeitung seines Vortrags erhielt er außerdem Unterstützung von Michael Grieves, Uwe Harnack, Wolfgang Mocek, Dieter Pietsch, Dieter M. Zube (USA), der Wohnungsbaugenossenschaft und Familie Burmester.

7. April 1945: Zum dritten Luftangriff fehlen genauere Angaben, sagt Priesterjahn. Es ist davon die Rede, dass 20 Menschen dabei ums Leben kamen.

Zahlreiche Bilder, heimlich oder auch ganz offen aufgenommen, dokumentieren die Zeitabschnitte. Auf einigen Fotos lässt sich manche Überraschung finden, die bei der Digitalisierung erst deutlich erkennbar geworden ist. Ein weiteres Schicksal, von dem Heinrich Priesterjahn zu erzählen weiß: Thomas W. Saling, dessen Maschine über Ludwigslust angeschossen wurde, konnte sich bis Uelzen in der Luft halten. In der Nähe des Fischerhofes stürzte er ab und starb im Alter von 20 Jahren. Saling wurde zunächst in der Uhlenköperstadt beerdigt und dann in die USA überführt.

Von Diane Baatani

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