Gesprächsangebote für an Multiple-Sklerose-Erkrankte am 19. Juni

Das Leben hört nicht auf

+

Uelzen. Es gibt Krankheiten, die einen besonderen Schrecken verbreiten. Multiple Sklerose (MS) gehört ohne Zweifel dazu. MS ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen; davon betroffen sind alle Altersgruppen, auch ganz junge Menschen, zwei Drittel davon sind Frauen.

Das Klinikum Uelzen ist Gastgeber eines Informationsabends am Dienstag, 19. Juni, zu dem von 18 bis 20 Uhr die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft/ Niedersachsen (DMSG) einlädt. Im Interview mit AZ-Mitarbeiterin Barbara Kaiser haben Dr. Ulrike Heesemann, Chefärztin der Neurologischen Abteilung im Klinikum, Reinhold Hoyer, leitender Krankengymnast im Hause, Waltraud Heus, Leiterin der DMSG Beratungsstelle Winsen/Luhe und Edla Hussein, Leiterin der Kontaktgruppe für den Landkreis Uelzen, die Schwerpunkte des Tages erörtert.

AZ: Was erwartet den Besucher in den zwei Stunden am 19. Juni?

Heesemann: Ich freue mich sehr, dass die Veranstaltung wieder in unserem Haus stattfinden kann, weil Angebote vor Ort für die Menschen, die an MS leiden, wichtig sind. Denn für sie kann schon eine Reise nach Hamburg ein Hindernis darstellen.

Wir nutzen solche Einladungen stets, um über Neuigkeiten im medizinischen Bereich zu informieren. Außerdem wollen wir Menschen zusammen bringen, die ein gemeinsames Problem eint. Klar gestellt werden muss: MS ist behandelbar, wenn auch nicht heilbar. Als Betroffener sollte man sich aber nicht nur behandeln lassen, sondern auch selbst handeln!

Welche Bausteine bilden eine Therapie?

Hoyer: Neben der medikamentösen Therapie wird der Bewegung ein großer Stellenwert zugeschrieben. Es geht hierbei nie um die Frage „Was kann ich nicht mehr?“, sondern „Was kann ich noch?“. Wir üben die Wahrnehmungsschulung, dass man Bewegung spürt, auch wenn man im Rollstuhl sitzt. Man darf sich nicht in Watte packen bei solch einer Diagnose!

Heesemann: Die Therapie ist eine sehr individuelle, niemals eine von der Stange. Außer der medikamentösen Einstellung werden Vorschläge zur Ernährungsumstellung und Lebenseinstellung angeboten. Dabei geht es immer auch um die Kooperation und Kommunikation zwischen allen Behandelnden (Arzt/Krankengymnast) und allen Betroffenen (Kranker und seine Angehörigen).

Welche Botschaft gibt es grundsätzlich für die Patienten?

Heus: Mit der Diagnose MS hört das Leben nicht auf! Wir holen jeden mit der Beratung ab in seiner Situation und wir unterstützen beim Bewerten der Informationsflut, die durchs Internet unendlich zu sein scheint und manchmal auch erschreckt. Es muss zu der Einstellung kommen: Ich lebe mit der Krankheit. Und nicht: Die Krankheit lebt mit mir, beherrscht mich.

Heesemann: Wir wollen aufklären über Chancen und Risiken neuer Medikamente, neuer Therapieansätze und dass auch die psychische Integrität den Verlauf von MS bestimmen kann. Die Diagnose MS bedeutet, dass die Verbindung zwischen Arzt und Patient eine dauerhafte, lebenslange sein wird.

Heus: Das setzt Vertrauen voraus und erfordert das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden.

Wie gestaltet sich die Kommunikation unter den Patienten im Alltag?

Hussein: Aus Uelzen und Bad Bevensen trifft sich eine Gruppe jeden ersten Mittwoch im Monat. Wir veranstalten mit der Beratungsstelle in Winsen auch Tagesseminare, es gibt einen Seminarplan zu den unterschiedlichsten Themen. Für den 19. Juni würden wir uns wünschen, dass auch mehr junge Leute den Mut haben und zu uns finden.

Kommentare